Spione im frühen Kalten Krieg
Einblick in ihre Motive, Methoden und Netzwerke
In der angespannten Atmosphäre des frühen Kalten Krieges spielten Spionage und Spionageabwehr eine äußerst wichtige Rolle. Doch abseits der großen Politikgeschichte waren es tausende Menschen, die europaweit – und insbesondere in Österreich und Deutschland – zu Akteuren an der „geheimen Front“ wurden.
Der neue Sammelband rückt genau diese von Geheimdiensten angeworbenen Personen, sogenannte „assets“, in den Fokus. Das Werk geht der Frage nach, wie Spionage auf der Mikroebene in der Realität ablief und wer jene Menschen waren, die unter anderem als Kuriere agierten, Informationen sammelten oder Kontakte herstellten.
Dabei wird mit der gängigen Annahme aufgeräumt, Spione hätten lediglich für finanzielle Gegenleistungen gearbeitet. Die Motivationen waren weitaus vielschichtiger: Anhand des im Kalten Krieg entwickelten MICE-Modells wird etwa deutlich, dass fast immer eine komplexe Kombination aus materiellen Anreizen (Money), ideologischen Sichtweisen (Ideology), Epressung (Coercion) und Charakterzügen (Ego) zur Kooperation führte.
Die Beiträge des Buches zeigen eindrücklich, wie sehr diese gefährlichen Tätigkeiten den Konflikt mitprägten und welche gravierenden Folgen sie oft für Akteure selbst, ihre Familien, Angehörigen und ihr gesamtes Lebensumfeld hatten.
Basierend auf einer breiten, teils erstmals ausgewerteten Quellenbasis, entstand dieses Werk als Resultat einer aktiven Kooperation des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung (Graz – Wien – Raabs) und der Gedenkstätte Leistikowstraße in Potsdam. Es bietet einen einzigartigen und unmittelbaren Einblick in die Lebensrealität der Spione an der unsichtbaren Front.
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