Das „Austrian Battalion“ der US-Armee

Otto Habsburgs Operettenkrieger? Das „Austrian Battalion“ der US-Armee im Zweiten Weltkrieg

Von Otto Habsburg und konservativen exilösterreichischen Akteuren ins Leben gerufen – und 1943 frühzeitig aufgelöst –, gilt das „Austrian Battalion“ der US-Armee des Zweiten Weltkriegs in Forschung und Erinnerungsdiskurs als umstrittenes Politikum. Die soldatischen Akteure und vermeintlich verhinderten „österreichischen Freiheitskämpfer“ dieser Einheit selbst standen bisher kaum im Mittelpunkt. Neben der exilpolitischen Geschichte des österreichischen Bataillons dokumentiert dieses Projekt daher nun vor allem den nach dem Scheitern dieses Verbands geleisteten militärischen Beitrag von dessen österreichischen „Veteranen“ zum Exilwiderstand gegen den Nationalsozialismus: Ein Buch und kurze Online-Kriegsbiografien (in Deutsch & Englisch) erzählen und dokumentieren diesen vielseitigen Einsatz von österreichischen Ex-Angehörigen der „österreichischen Legion“ als Flüchtlingssoldaten, einfache „Buck Privates“ oder Offiziere der US-Armee im Zweiten Weltkrieg.

Das sogenannte „Austrian Battalion“ der US-Armee des Zweiten Weltkriegs ist heute fast nur mehr Exilforschern, Historikerinnen und an Zeitgeschichte interessierten Lesern ein Begriff. In persönlichen Kriegserinnerungen und medialen Darstellungen gilt diese untrennbar mit dem Namen Habsburg verknüpfte „österreichische Legion“ eher als exotisch anmutende Fußnote am Rande des epischen Kampfs der Vereinigten Staaten gegen den Nationalsozialismus. Dennoch wurde während des Kriegs in den USA und nach 1945 vor allem in Österreich über die unglückliche Geschichte dieses kurzlebigen Truppenkörpers viel nachgedacht, viel geschrieben und – wegen der politischen Schlüsselrolle, die der seit 1940 in den USA lebende „Kaiser“ Otto von Habsburg und Monarchie-nahe sowie konservative Österreicher in den USA hierbei innehatten – viel gestritten.

Über die österreichischen Soldaten und Rekruten dieses „Nationalbataillons“ – nicht wenige von ihnen kämpften später in anderen US-Einheiten mit der Waffe in der Hand gegen die Achsenmächte – wurde hingegen wenig geforscht und kaum berichtet. Das soll sich nun ändern. Denn dieser von österreichstämmigen Menschen geleistete Beitrag zur Niederringung des Faschismus ist weitgehend abseits von politischen Willensbekundungen, feierlichen Ansprachen oder (nachträglichen) ideologischen Deutungskämpfen rund um „Ottos Bataillon“ erfolgt. Das kurze Training der betroffenen Flüchtlingssoldaten in „the Archduke’s private unit“ war gewiss ein Teil dieses US-amerikanischen „war effort“, aber meist bei weitem nicht der prägendste Beitrag zum transnationalen Kampf gegen das nationalsozialistische Deutschland bzw. zur Befreiung der (ehemaligen) Heimat Österreich. Auf Grundlage jüngster Archivforschung und neu zugänglicher (digitaler) US-Quellen sowie Recherchen in den USA ist es mit diesem Forschungs- und Buchprojekt nun möglich, die – nicht nur politische – Geschichte des Bataillons umfangreich und plastisch zu erzählen, exaktere Zahlen und neue Namen zu Exilösterreichern im Austrian Battalion zu eruieren, sowie hinter diesen Nummern und Buchstaben die betroffenen Menschen und deren gesamte Kriegsbiografie sichtbar zu machen.

Neben dem im Böhlau-Verlag erscheinenden Buch werden die militärbiografischen Eckdaten der ausfindig gemachten österreichischen Bataillonsangehörigen in die Datenbank des laufenden Erschließungsprojekts Österreicher in der US-Armee eingespielt sowie deren kurze Exil- bzw. Kriegsbiografien in der dortigen Online-Biografiesammlung veröffentlicht.

Das Projekt zu exilösterreichischen Soldaten im Austrian Battalion wird im am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung in Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Universität Graz durchgeführt, durchgeführt, vom Zukunftsfonds der Republik Österreich sowie vom Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus und vom Land Niederösterreich gefördert. Das Center for Inter-American Studies der Uni Graz ist unterstützende Kooperationspartner (Projektleitung: Florian Traussnig)

Einführende Literatur:

Florian Traussnig, Militärischer Widerstand von außen. Österreicher in US-Armee und Kriegsgeheimdienst im Zweiten Weltkrieg. Wien: 2016. (Weitere Informationen zum Buch)

Kurzbio: Werner von Trapp (Austrian Battalion & 10th Mountain Division)

Aktuelles zum Projekt

Veranstaltungen zum Projekt

Otto Habsburgs „Operettenkrieger?“ Vortrag & Talk mit Florian Traussnig

Arkadensaal im Minoritenzentrum, Mariahilferplatz 3, 8020 Graz

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