Tagung „Lager zwischen Kriegsende und Besatzungspolitik“
Donnerstag, 25. September 2025
14:15–15:45 Uhr
Museum Zwangsarbeit im Natiosnalsozialismus
Jorge-Semprún-Platz 2
99423 Weimar
Dieter Bacher und Katharina Bergmann-Pfleger sprechen bei der Tagung über die Repatriierungslager in der sowjetischen Besatzungszone Österreichs 1945–1953.
Die Bilanz des Zweiten Weltkrieges war verheerend: Millionen Menschen wurden in nationalsozialistischen Lagern und durch Zwangsarbeit ermordet. Materielle Zerstörungen bisher ungekannten Ausmaßes machten weite Gebiete unbewohnbar und nahmen der Bevölkerung ihre Lebensgrundlage.
Die befreiten Häftlinge der Konzentrationslager und Millionen Zwangsarbeiter:innen warteten 1945 in DP-Lagern auf die Rückkehr in ihre Heimat. Gleichzeitig richteten die Alliierten in allen Zonen Internierungslager ein. Sie hielten dort Personen fest aufgrund deren Tätigkeit innerhalb des nationalsozialistischen Staats- und Parteiapparates oder weil von ihnen eine Bedrohung der Sicherheit der Besatzungsmächte auszugehen drohte. Die Verhaftungspraxis in der Sowjetischen Besatzungszone bewegte sich dabei zwischen der Ahndung nationalsozialistischer Verbrechen und der Durchsetzung stalinistischer Sicherheitspolitik gegenüber der feindlich eingestellten deutschen Gesellschaft, die das NS-System mit wenigen Ausnahmen bis zum Schluss – und darüber hinaus – mittrug.
Die gemeinsame Konferenz der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora und der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten möchte die unterschiedlichen Forschungsgebiete zur Thematik bündeln. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die alliierten Besatzungsmächte den katastrophalen Folgen der NS-Herrschaft begegneten, Täter:innen zur Rechenschaft zogen und sich zugleich um die Unterstützung der Opfer bemühten.
14.15–15.45 Uhr
Zurück nach Hause? – Die Rückführung befreiter Kriegsgefangener, KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter:innen in die Sowjetunion: Filtrationslager, Lager der Smersch
Moderation: Ines Reich
Entgegen der offiziellen Propaganda erwartete die befreiten sowjetischen Bürger:innen in ihrer Heimat häufig erneute Diskriminierung und Verfolgung. Die Organisation der Rückführung erfolgte über Repatriierungslager. Geheimdienste des sowjetischen Militärs und des Innenministeriums organisierten die Vernehmung der befreiten Häftlinge. Dabei standen Fragen der Loyalität im Vordergrund: Hatten die befreiten Häftlinge mit den Nationalsozialisten kollaboriert? Gleichzeitig wurden die befreiten Zwangsarbeiter:innen und Häftlinge auch konkret nach Gewalterfahrungen und Verbrechen befragt, Material, das die Geheimdienste für weitere Ermittlungen verwendeten. Das Panel fragt nach den Funktionen sowjetischer Repatriierungslager zwischen Organisation und Versorgung, Loyalitätsansprüchen, Mobilisierung, Repression und Ermittlungen.
Dieter Bacher und Katharina Bergmann-Pfleger, beide wissenschaftliche Mitarbeiter am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, beleuchten in ihrem Vortrag die Ergebnisse des FWF-Projekts Encampment in der sowjetischen Besatzungszone Österreichs und gehen dabei auf die Situation der Repatriierungslager in der sowjetischen Besatzungszone Österreichs 1945–1953, am 25. September 2025 ab 14:15 Uhr, ein. Das Forschungsprojekt „Encampment“ identifizierte und dokumentierte rund 250 Lager, die während der Nachkriegszeit von 1945 bis 1955 auf dem Gebiet der damaligen sowjetischen Besatzungszone (Niederösterreich, Burgenland, Teile Oberösterreichs und Wiens) existierten. Die Informationen und Materialien wurden auf einer Website mit Online-Lagerkarte gesammelt: encampment-bik.lbg.ac.at.
Eine Veranstaltung der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau Dora; Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten (Museum Zwangsarbeit im Nationalsozialismus)