„Unter der Grasnarbe. Spuren des ehemaligen Lagers Liebenau“
Mittwoch, 10. Juni 2026
18:00–21:00 Uhr
Graz Museum
Sackstraße 18
8010 Graz
Vortrag von Barbara Stelzl-Marx, Philipp Lesiak und Immanuel Karner und Vorstellung des neuen digitalen Rundgangs zum Lager Liebenau im Graz Museum.
Im Frühjahr 2017 stieß ein Bautrupp bei Grabungen für das Murkraftwerk in Graz auf Mauerteile und eine Treppe. Sie gehörten zum ehemaligen Lager Liebenau, dem größten NS-Zwangsarbeiterlager in Graz. Der Komplex war im April 1945 zudem eine Station ungarischer Jüd:innen auf ihren Evakuierungsmärschen ins KZ Mauthausen – mindestens 34 Personen wurden in Graz-Liebenau erschossen. Nach dem Prozess vor einem britischen Militärgericht 1947, bei dem wegen Kriegsverbrechen zwei Todesurteile ausgesprochen wurden, wuchs – im wahrsten und im übertragenen Sinne des Wortes – Gras über das Areal. Wo sich einst Baracken befunden hatten, entstanden Wohnhäuser und öffentliche Einrichtungen. Für Jahrzehnte geriet dieses dunkle Kapitel der Grazer Zeitgeschichte weitestgehend in Vergessenheit.
Im Zuge der Diskussionen um das geplante Wasserkraftwerk rückte das Lager Liebenau unerwartet ins Zentrum des – auch medialen – Interesses. So stellte sich die Frage, welche Reste dieser NS-Einrichtung im Verborgenen noch vorhanden und vor allem, ob hier noch Opfer bestattet waren. Das Lager Liebenau ist zwar auf den ersten Blick unsichtbar geworden, doch seine Spuren sind subkutan vorhanden, eingebrannt in den Boden und in die Biografien.
Begrüßung
Judith Schwentner, Vizebürgermeisterin
Claudia Unger, Kulturstadträtin
Sibylle Dienesch, Direktorin Graz Museum
Vortrag
Barbara Stelzl-Marx, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung und Professorin für Europäische Zeitgeschichte, Universität Graz
Philipp Lesiak, Standortkoordinator Raabs des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung
Immanuel Karner, Vermessungsamt Graz
Im Rahmen des Vortrages begeben sich Barbara Stelzl-Marx, Philipp Lesiak und Immanuel Karner auf eine Spurensuche durch diesen Ort verdichteter Geschichte und analysieren dabei aktuelle Vermittlungsformen. Denn Geschichtserzählung hat immer auch mit Gegenwart zu tun.
Davor um 17 Uhr findet eine Führung durch die Ausstellung Lager Liebenau. Ausgraben und Erinnern statt.