Vortrag von Philipp Lesiak bei der Internationalen Sommertagung Tainach „Europa – seine historische Bedeutung, seine Verantwortung und Möglichkeiten heute“
Freitag 21. August 2026
11:00 – 12:00 Uhr
Bildungshaus Sodalitas
Propsteiweg 1
9121 Tainach
bssvpr@fbqnyvgnf.ng
Vom 20. bis 23. August findet die internationale Sommertagung des Katholischen AkademikerInnenverbands Österreich und Kärnten gemeinsam mit dem Bildungshaus Sodalitas statt.
Im Rahmen der viertägigen Veranstaltung hält Philipp Lesiak, Koordinator des Standortes Raabs des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung, am Freitag den 21. August, einen Vortrag zum Thema „Europa – Kind der Kriege?“
Vielfach wird das Bild des vereinten Europas als Friedensprojekt bemüht – zustimmend aber zunehmend auch kritisch. Dass dieses Friedenskonzept bis heute wirkmächtig geblieben ist, liegt in den großen Konflikten begründet, die den Kontinent Europa nicht nur während der zeithistorischen Betrachtungsspanne verwüsteten und Millionen Menschenleben kosteten – unterbrochen von einer vier Jahrzehnte dauernden kalten Phase, währen der ein Europa der zwei Blöcke existierte. Nach dem annus mirabilis 1989, als mit der Öffnung des Eisernen Vorhangs die militärische, ideologische und wirtschaftliche Barriere zwischen Ost und West in Europa von den realsozialistisch unterdrückten Gesellschaften selbst beseitigt wurde, gewann das Bild eines vereinten, demokratischen, rechtsstaatlichen, liberalen Europas ausweislich der EU-Erweiterungsrunden an Anziehungskraft. Darüber wurde oft aus dem Blick verloren, dass es auch andere wirkmächtige Ideen und Interpretationen Europas gibt, die sich an viel weiter in die Vergangenheit zurückweisenden Mustern und Ideen orientieren. Seit dem 24. Februar 2022 ist es wieder ein großer Krieg, in dem nicht alleine eine Nation um ihre Existent kämpft, sondern auch darüber verhandelt wird, wohin sich Europa entwickeln wird.
Der Vortrag wird anhand von Schlaglichtern die Bedeutung von Kriegen bzw. deren Folgen für die Entwicklung der europäischen Gesellschaften beleuchten, mit einem Schwerpunkt auf der Zeitgeschichte.
Zur Tagung
Die historische Bedeutung Europas liegt in seiner Rolle als „Wiege“ von Demokratie, Wissenschaft und Rechtssystem. Die Ausbreitung des Christentums führte zur Entwicklung gemeinsamer Werte und Sprachen, aber auch zu Kriegen und Diktaturen, worauf die Ideen des Friedens und der Kooperation zur Gründung der Vereinten Nationen und zur derzeitigen Gestalt der Europäischen Union führten.
Aus dieser Geschichte Europas erwächst Verantwortung, die Gegenwart bewusst zu gestalten, im Wissen um die globalen Herausforderungen wie Klimaschutz, Sicherheit, wirtschaftliche Stabilität, digitale Entwicklungen, Sorge um Wahrung der Menschenrechte und des sozialen Zusammenhalts.
Die Möglichkeiten zur Bewältigung dieser Aufgabenkomplexe liegen im Spannungsfeld einer grundlegenden Spiritualität, von Kultur und Wirtschaft, einer durch Verhandlung und Diplomatie bestimmten Politik, und dem persönlichen Einsatz jeder Bürgerin und jedes Bürgers im Alltagsleben und in der politischen Beteiligung in regionalen und überregionalen Foren.
Wir alle befinden uns mittendrin in diesen Prozessen des Suchens und des Werdens des sich entwickelnden Europa. Besinnung üben, neue Sichtweisen kennenlernen, differenziert Fragen stellen, Orientierungen finden, das sind die Bestrebungen und Zielpunkte der diesjährigen Tagung.