Aktivitäten tschechoslowakischer Nachrichtendienste
Der österreichische Wissenschaftsfonds FWF beschloss im März 2020 die Förderung eines internationalen dreijährigen Forschungsprojekts zum Thema „Die Aktivitäten tschechoslowakischer Nachrichtendienste in Österreich im zentraleuropäischen Kontext 1948–1960. Netzwerke – Operationen – Wirkung“ (FWF P-33220 G). Es wurde am Institut für Geschichte der Universität Graz in Kooperation mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung durchgeführt.
Zum Thema
Bereits nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begannen die neu formierten tschechoslowakischen Nachrichtendiente ihre ersten Aktivitäten im benachbarten Österreich. Kurz nach der kommunistischen Machtübernahme im Februar 1948 nahmen diese Aktivitäten stark zu – Österreich wurde zu einer wichtigen Drehscheibe für Operationen gegen den „Westen“. In der ersten Hälfte der 1950er-Jahre, während der Besatzungszeit, wurden viele aus der Sicht der Sowjetunion kritische Operationen von tschechoslowakischen Netzwerken und ihren Mitarbeitern durchgeführt. Dem US-amerikanischen Counterintelligence Corps (CIC, militärische Spionageabwehr) zufolge gehörten die tschechoslowakischen Nachrichtendienste zu den „aktivsten“ Diensten aus Osteuropa, die gerade auf österreichischem Gebiet eine entscheidende Rolle im aufkommenden Kalten Krieg spielten.
Die tschechoslowakischen Aktivitäten in Österreich insgesamt sind bislang kaum erforscht. Das vom FWF geförderte Projekt hatte eine systematische Analyse der Aktivitäten der tschechoslowakischen Residenturen (nachrichtendienstlichen Stützpunkten) in Wien und Salzburg und deren Personals in der ersten Hälfte des Kalten Krieges zum Ziel, mit Vergleichen zu anderen wichtigen Stationen der tschechoslowakischen Dienste. Zentrale Fragestellungen waren etwa, wie die dafür notwendigen, geheimem Netzwerke geschaffen, erhalten und abgesichert, welche operativen Methoden angewandt und welche Ziele verfolgt wurden. Die Ergebnisse des Projektes leisteten damit einen wichtigen Beitrag zu den Cold War Studies.
Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. Barbara Stelzl-Marx
Projektkoordination: Mag. Dieter Bacher (Nachforschungen in britischen und US-Archiven)
Projektmitarbeiter:innen: Mag. Philipp Lesiak (Recherchen in tschechischen und slowakischen Archiven), Mag. Sabine Nachbaur (Erhebung der in österreichischen Archiven vorhandenen und zugänglichen Unterlagen)
