Kunst und Kultur hinter Stacheldraht. Kriegsgefangenenlager in Niederösterreich

Kunst und Kultur hinter Stacheldraht. Kriegsgefangenenlager in Niederösterreich

Die alltägliche Lagererfahrung war der Auslöser, die Ursache für das Entstehen von literarischen Werken und künstlerischer Betätigung, von Kunst und Kultur hinter Stacheldraht. Bedingt durch die Extremsituation des Lebens hinter Stacheldraht entstanden in praktisch allen Lagern der beiden Weltkriege Gedichte, Tagebücher, Briefe, Zeichnungen, Theaterstücke oder Lieder. Dass sie in der ”conditio inhumana” zum Teil trotz der denkbar schlechtesten Voraussetzungen hervorgebracht wurden, lässt sich nur durch die Funktion erklären, die Kunst und Kultur in dieser extremen Lebenslage, wie etwa in französischen Internierungslagern, zukam: „Das ‚Ausströmen von Gedanken und Betrachtungen’ […] entsprach dem psychischen und geistigen Bedürfnis der Gefangenen nach Aussprache. Schreiben und auch das Kunstschaffen entlastete vom Erlebten und war Ausdruck des existentiellen Wunsches, mit sich selbst, mit den ‚Kameraden‘ im Lager oder mit der Außenwelt zu kommunizieren. Die Gedichtzeile ‚Ich leer mein leeres Herz euch aus‘ einer nicht bekannten Verfasserin könnte als Motto über vielen Briefen, Tagebüchern und Gedichten stehen.”

So unterschiedlich die äußeren Bedingungen der Lager waren – in der Herstellung von literarischen Werken oder Kunstgegenständen liegen auf den ersten Blick große Ähnlichkeiten vor. Vielfach musste bei der Gestaltung vonKunstgegenständen oder Zeichnungen mit den einfachsten Mitteln vorliebgenommen werden. Unterschiede ergaben sich jedoch durch die Zusammensetzung der Lagergesellschaften: Während Kriegsgefangene erst durch die Extremsituation der Gefangenschaft zu schreiben begannen, befanden sich in den übrigen Lagersystemen professionelle Literaten und Künstler. Eine Analyse der Werke von Kriegsgefangenen kann somit nicht vorrangig an deren formal ästhetischer Wertung interessiert sein, sondern es müssen Entstehungszusammenhang und Funktion berücksichtigt werden.

Im Rahmen des Projektes werden erstmals Kunst und Kultur hinter Stacheldraht in Kriegsgefangenenlagern im Zweiten Weltkrieg in Niederösterreich eruiert und vergleichend analysiert werden. Die Ergebnisse sollen in Form von Veranstaltungen – wie einer Ausstellung im Karikaturmuseum Krems, Lesungen, Filmvorführungen oder Präsentationen – einer breiten Öffentlichkeit präsentiert werden.

Projektleitung: Barbara Stelzl-Marx
Projektmitarbeiter: Robert Streibel
Fördergeber: Land Niederösterreich
Laufzeit: 2025 – 2026