Lager in der sowjetischen Steiermark
Projekt „Lager in der sowjetischen Steiermark“
Mit dem Kriegsende und der – kurzen, aber umso intensiveren – Besatzung von weiten Teilen der Steiermark durch die Rote Armee bis zum 23./24. Juli 1945 entstand eine vielfältige Lagerlandschaft:
Lager für sowjetische Besatzungssoldaten, Kriegsgefangenenlager – vor allem für ehemalige Angehörige der deutschen Wehrmacht und mit ihr verbündeter Armeen – sowie Sammel-, Durchgangs- und Repatriierungslager für ehemalige Zwangsarbeiter, ehemalige sowjetische Kriegsgefangene und andere durch das NS-Regime Repressierte. Auch ehemalige Nationalsozialisten sowie Flüchtlinge, Vertriebene und Umsiedler wurden in Lagern untergebracht. Trotz ihrer Bedeutung für die unmittelbare Nachkriegszeit und die Lebensrealität zehntausender Menschen unterschiedlicher Nationalitäten wurden diese Lager bislang nicht systematisch untersucht.
Zum Projekt
Das vom Zukunftsfonds der Republik Österreich geförderte Forschungsprojekt „Lager in der sowjetischen Steiermark“ versteht sich als Nachfolge- und Ergänzungsprojekt zu „Encampment – Lager in der sowjetischen Besatzungszone 1945–1955“. Während „Encampment“ jene Lager erfasste, die sich innerhalb der mit der alliierten Zoneneinteilung vom Juli 1945 festgelegten sowjetischen Besatzungszone Österreichs befanden (Niederösterreich, Burgenland, Mühlviertel sowie verschiedene Bezirke Wiens), richtet das Folgeprojekt den Blick auf jene Teile der Steiermark, die zwischen Mai und Juli 1945 für mehrere Wochen von der Roten Armee besetzt waren.
Ziel des Projekts ist die erstmalige systematische Identifizierung, Verortung und Beschreibung der während der sowjetischen Besatzungsphase in der Steiermark bestehenden Lager. Untersucht werden ihre Standorte und Funktionen, die dort untergebrachten Personengruppen, ihre Betreiber sowie – soweit rekonstruierbar – Entstehung, bauliche Strukturen, Belegungszahlen und Nachnutzungen. Dabei wird auch der Frage nachgegangen, in welchem Umfang neue Lager kurzfristig errichtet oder bereits vorhandene Infrastruktur aus der NS-Zeit, darunter Zwangsarbeiter-, Kriegsgefangenen- oder Umsiedlerlager sowie Industrie- und Werksareale, weitergenutzt wurde.
Die Forschungen stützen sich auf österreichische und ehemals sowjetische Archivquellen, zeitgenössische Verwaltungsunterlagen, Fachliteratur und lokale Chroniken sowie Zeitzeugeninterviews. Die Ergebnisse werden in die bestehende digitale Lagerkarte von Encampment integriert. Damit erweitert das Projekt nicht nur die Kenntnisse über die sowjetische Besatzung der Steiermark 1945, sondern trägt auch zur Erforschung von Kriegsende, Zwangsmigration, Repatriierung und den unmittelbaren Folgen des nationalsozialistischen Herrschaftssystems bei.
Projektleitung- und durchführung: Mag. Dr. Katharina Bergmann-Pfleger
Projektlaufzeit: November 2025– November 2026
Förderung: Zukunftsfonds der Republik Österreich