Anna Graf-Steiner hat im „Journal of Cold War Studies“ der Harvard University publiziert
Ihr Beitrag geht der Frage nach, ob die intensiven österreichisch-sowjetischen Wirtschaftsbeziehungen ab 1955 der Beginn eines zu engen Abhängigkeitsverhältnisses von Moskau waren oder einen bedeutenden Beitrag zur Entspannungspolitik geleistet haben.
Wie entstanden Österreichs enge wirtschaftliche Beziehungen zur Sowjetunion und welche Rolle spielten dabei Staatsvertrag, Neutralität und die Entspannungspolitik des Kalten Krieges?
Diesen Fragen geht Anna Graf-Steiner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, in ihrem neuen Beitrag „Soviet-Austrian Economic Relations 1955–1975: The Beginning of Vienna’s Economic Dependence on Moscow or Essential Element of Détente?“ nach.
Ausgangspunkt ist das Jahr 1955: Der österreichische Staatsvertrag und die wenige Monate später beschlossene Neutralität bildeten die Grundlage für enge wirtschaftliche Kontakte zwischen Wien und Moskau und langfristige Geschäftsbeziehungen. Zwischen Ost und West nahm Österreich eine besondere Rolle in der Wirtschaftsstrategie der Sowjetunion während des Kalten Krieges ein.
Der Beitrag untersucht, inwiefern Österreich für die Sowjetunion als „Testfeld“ für den Ost-West-Handel diente und damit zur wirtschaftlichen Entspannung zwischen den Blöcken beitrug. Eine wichtige Rolle spielten dabei auch die Energiebeziehungen: 1968 erhielt Österreich als erstes westliches Land sowjetisches Erdgas.
Der Beitrag ist im September 2026 im Journal of Cold War Studies (MIT Press), Vol. 28, Nr. 3, S. 120–153, erschienen.