Austro-amerikanischer Angehörigenbesuch
Auf den Spuren des aus Wien stammenden US-Soldaten und Exilwiderstandskämpfers Ernest Gansel
Auf dem Fahrrad nach Hause tretend, wird der junge jüdische Barbier Ernst Gansl während des Novemberpogroms 1938 in Wien von den Nationalsozialisten verhaftet. Monatelang im Konzentrationslager Dachau festgehalten, erlangt er ein Visum, wird freigelassen und kann in die USA fliehen. Dort wird er zu Ernest Gansel und zum amerikanischen „G.I.“, trainiert als Flüchtlingssoldat unter anderem im kurzlebigen, von Otto Habsburg mit-initiierten, „Austrian Battalion“ der US-Armee und wird 1944 als Infanterist im Kampf gegen die deutsche Wehrmacht in Frankreich verwundet.
In Wien trafen Sandi Gansel und ihr Sohn Lawrence Gansel, die nun als Nachfahren die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, auf Florian Traussnig, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung. Im persönlichen Austausch mit dem Historiker, der sich intensiv mit den Kriegsbiografien österreichischer Flüchtlingssoldaten in der US-Armee beschäftigt, zeichneten sie gemeinsam die Lebensgeschichte ihres Vaters und Großvaters nach: von seiner Jugend in Wien und seinem bewaffneten Beitrag zur Niederringung der NS-Herrschaft in Europa bis zu seiner produktiven Nachkriegskarriere in den Vereinigten Staaten. Dabei kamen auch zahlreiche persönliche Erinnerungen und familiäre Überlieferungen zur Sprache – tragische ebenso wie wundersame und Hoffnung stiftende Begebenheiten.
Die mithilfe von familiären Quellen und Beständen des US-Nationalarchivs geschriebene Kurzbio von Ernest Gansel ist auf unserem „wachsenden“, auch englischsprachigen Onlineportal austriansoldiers.lbg.ac.at frei abrufbar. Im beim Böhlau-Verlag (zirka 2028) erscheinenden Buch „Otto Habsburgs Operettenkrieger?“ gibt es dann mehr über Ernest Gansel zu lesen.
Für Florian Traussnig war die Begegnung mit Sandi und Lawrence Gansel ein berührender Moment seiner Forschungsarbeit. Sein herzlicher Dank gilt der Familie Gansel für den persönlichen Austausch, die geteilten Erinnerungen und das Vertrauen!