31 Mar 2026 by lbik

Besuchen Sie die Ausstellung „Lager Liebenau. Ausgraben und Erinnern“ im Graz Museum

Stille Zeugnisse, laute Fragen: Das Lager Liebenau im Spiegel archäologischer Funde

Die archäologischen Fundstücke aus dem Areal des ehemaligen Lagers Liebenau sind stille Zeugen der Geschichte. Sie auszustellen, verbindet Forschung, Gedenken und gesellschaftliche Verantwortung. Unter dem Motto „Ausgraben und Erinnern“ geht es darum, Vergangenes zu befragen und seine Bedeutung für unsere Gegenwart zu erklären. Die Ausstellung „Lager Liebenau. Ausgraben und Erinnern“ wurde im Graz Museum am Mittwoch den 25. März 2026 eröffnet.

Bei der von Sibylle Dienesch, Direktorin des Graz Museums, moderierten Vernissage, sprach unter anderem Barbara Stelzl-Marx, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung und Professorin für Zeitgeschichte an der Universität Graz, sie betonte: „Die archäologischen Funde zeigen eindrücklich, wie nah uns die Geschichte noch ist und wie wichtig es ist, sie wissenschaftlich aufzuarbeiten.“

Kulturstadträtin Claudia Unger unterstrich in ihrem ebenfalls nachdenklichen Beitrag die gesellschaftliche Verantwortung im Umgang mit der Vergangenheit und meinte: „Die Stadt Graz hat die Verantwortung zur Erinnerungskultur einen aktiven Beitrag zu leisten.“

Auch die Kuratorinnen Susanne Lamm und Annette Rainer gingen auf die Intention der Ausstellung ein und betonten: „Die Fundstücke erzählen keine abgeschlossene Geschichte – sie fordern uns auf mit ihnen in Dialog zu treten.“

Für die Gedenkinitiative Graz-Liebenau sprach Rainer Possert, der die Bedeutung des Ortes im Zusammenhang mit seiner Arbeit und die lange vergessene Erinnerung an diesen hervorhob: „Man muss beinahe blind sein, um so lange vor Ort zu arbeiten und nichts über diesen zu wissen.“

Zur Ausstellung:
Das Lager Liebenau war zur Zeit des Nationalsozialismus ein Lager für Umsiedler:innen und Zwangsarbeiter:innen – und ein Tatort von NS-Verbrechen. Viele Fundstücke stammen aus diesen Jahren, andere aus der Zeit davor oder danach. Was erzählen uns diese Fundstücke? Was bleibt uns verborgen? Die Vergangenheit soll nicht verschüttet, sondern bewusst reflektiert werden, um Gegenwart und Zukunft an ihr zu messen, politische Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam demokratische Lebensformen zu fördern.

Dabei wird sichtbar, wie wichtig gemeinsames Handeln, offener Diskurs und zivilgesellschaftliche Mitgestaltung sind. Nur unter vielen Blickwinkeln, Selbstreflexion und Zusammenarbeit von Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Politik entsteht eine starke Erinnerungskultur, die Demokratie schützt und aktiv mitgestaltet.

Die Ausstellung wird vom 26. März bis zum 6. September 2026 im Graz Museum gezeigt werden.

Eine Kooperation des Graz Museums mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung und der Universität Graz. Gefördert durch das Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport.

Anlässlich der Ausstellung erscheint der von Barbara Stelzl-Marx herausgegebene Katalog „Lager Liebenau. Ein Ort verdichteter Geschichte“ in einer 2., überarbeiteten Auflage, Leykam 2026, Graz, Wien, Berlin.

Begleitprogramm zur Ausstellung:

Sonntag, 29. März 2026, 15:00 Uhr
Kuratorinnenführung

Mittwoch, 22. April 2026, 18:00 Uhr
Vortrag von Susanne Lamm

Samstag, 30. Mai 2026, 11-12:30 Uhr
Archäologischer Spaziergang 

Mittwoch, 17. Juni 2026, 17:00 Uhr
Vortrag von Barbara Stelz-Marx 

Samstag, 5. September 2026
Rundgang mit Finissage
nähere Informationen folgen