07 Apr. 2026 von lbik

Call for Papers – Österreich und die Folgen des Volksaufstandes in Ungarn 1956. Grenzeinsatz – Flucht – Nachwirkungen

Das Heeresgeschichtliche Museum (HGM) lädt in Kooperation mit dem Wissenschaftlichen Zentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Wien und dem Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung am 20. Oktober 2026 zu einem internationalen Symposium ein.

Um ihre politische Machtposition zu verteidigen, missbrauchen totalitäre Regime das staatliche Gewaltmonopol und nehmen dafür auch zahlreiche zivile Todesopfer in Kauf. Dieser beklemmende (und tagesaktuelle) Befund zeigte sich deutlich in den kommunistischen Diktaturen Ostmitteleuropas. Der sowjetische Sicherheitsapparat reagierte auf die Volksaufstände in der DDR 1953 und im polnischen Poznań im Frühsommer 1956 mit der zunehmenden Einschränkung der Menschenrechte und der blutigen Niederschlagung durch die Streitkräfte. Diese besatzungsherrschaftliche Praxis fand ihren vorläufigen Höhepunkt in der brutalen Unterdrückung des ungarischen Volksaufstands im Spätherbst 1956, dessen Folgen das diesjährige HGM Symposium diskutiert.

Als im Herbst 1956 sowjetische Truppen den ungarischen Volksaufstand gewaltsam niederschlugen, hatte dies unmittelbare Auswirkungen auf die junge Republik Österreich. Das Land hatte erst 1955 seine Souveränität wiedererlangt und seine Neutralität erklärt – nun stand es vor einer großen Bewährungsprobe: Über 180.000 Menschen flohen über die burgenländische Grenze nach Österreich.

Das neu gegründete Bundesheer befand sich noch im Aufbau, als es mit Grenzsicherung und logistischer Unterstützung betraut wurde. Gleichzeitig engagierten sich internationale Hilfsorganisationen und zahlreiche Menschen aus der Zivilgesellschaft in der Betreuung der Geflüchteten. Die Ereignisse von 1956 prägten nicht nur die Innen- und Außenwahrnehmung Österreichs, sondern wirkten auch in späteren Krisenmomenten – etwa 1968, 1989 oder in den 1990er-Jahren – nach.

Das Symposium möchte die mannigfaltigen und fallweise interdependenten Folgen des ungarischen Volksaufstandes 1956 in Österreich und seinen Nachbarländern anhand neuerer quellenbasierter Forschungsansätze diskutieren.

Einreichung

Wir laden Wissenschafter:innen unterschiedlicher Disziplinen herzlich ein, sich mit einem Beitrag zu beteiligen.

Einzureichen sind:

– Abstract (max. 500 Wörter, Deutsch oder Englisch)
– Kurz-CV (max. 1 Seite) mit bis zu drei thematisch relevanten Publikationen

Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Einreichungen bitte bis 10. April 2026 per E-Mail an: e.treznaa@utz.ng

Dr. Georg Hoffmann, Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums (Wien)

Univ.-Prof. Dr. Piotr Szlanta, Direktor des  Wissenschaftlichen Zentrums der Polnischen Akademie der Wissenschaften (Wien)

Univ.-Prof. Dr. Barbara Stelzl-Marx, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung (Graz – Wien – Raabs)

Alle Informationen