Das waren die Thementage „Kinder des Krieges – Zeitzeug:innen erzählen“
Als Begleitprogramm zur Ausstellung „Kinder des Krieges“ beleuchteten die Thementage Kindheit und Jugend im und nach dem Zweiten Weltkrieg.
Im Zentrum der Veranstaltung stand die Begegnung zwischen Publikum, Forschung und gelebter Erinnerung: Expert:innen und Zeitzeug:innen kamen gemeinsam zu Wort, persönliche Berichte, Kurzvorträge und moderierte Gespräche eröffneten unterschiedliche Zugänge zur Zeitgeschichte.
Den Auftakt bildeten die Begrüßungsworte von Christian Rapp, wissenschaftlicher Leiter des Haus der Geschichte, und Barbara Stelzl-Marx, Leiterin des BIK und Professorin für europäische Zeitgeschichte an der Uni Graz, welche das Publikum auf das Thema einstimmten.
Im Anschluss daran folgten vier Panels mit verschiedenen Schwerpunkten. Darunter „Kriegsende und Neuanfang“ in welchem Kurt Bauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am BIK, und Zeitzeugin Helga Baldasti über Erfahrungen des Umbruchs und die Herausforderungen der Nachkriegszeit diskutierten. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Thema „Lebensborn“. In dem von Nadjeschda Stoffers, wissenschaftliche Mitarbeiterin am BIK und an der Uni Graz, moderierten Panel wurden historische Einordnungen von Lukas Schretter, Koordinator des BIK-Standortes Wien, durch die persönlichen Erinnerungen des Zeitzeugen Klaus Steiner ergänzt.
Die Verbindung von Forschung und individueller Biografie machte deutlich, wie stark politische Ideologien in das Leben von Kindern und Familien eingriffen.
Die Veranstaltung wurde organisiert vom Haus der Geschichte gemeinsam mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung sowie der Universität Graz.
Zur Ausstellung:
Sie haben Bombenkrieg, Flucht, Verfolgung und den Verlust von Familienmitgliedern miterlebt. Unter dem NS-Regime sind sie mit der Utopie der „Volksgemeinschaft“ aufgewachsen – als Teil davon oder von ihr ausgegrenzt. Ihre Väter waren oft abwesend: Als Soldaten an der Front und in Gefangenschaft. Sie wurden in der Schule, bei der Hitlerjugend und beim Bund Deutscher Mädel indoktriniert und waren ein willkommenes Motiv für die Propaganda des „Dritten Reichs“. Sie erlebten als Jüdinnen und Juden die menschenunwürdigen Strapazen von Konzentrationslagern und Zwangsarbeit. Die Kinder der Kriegsgeneration mussten früh erwachsen werden und Verantwortung übernehmen. Ihre Spielräume waren begrenzt – und doch nutzten sie diese auf ihre Weise.
Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Zeitzeug:innen und deren Erinnerungsgegenstände. Verschiedene Kindheiten jener Epoche werden damit unmittelbar nachvollziehbar. Kinder aus Opferfamilien ebenso wie Kinder aus Täterfamilien. Kinder aus dem ländlichen Raum und aus der Stadt, aus verschiedenen sozialen Milieus und von unterschiedlicher Herkunft. Der Zeitraum der Ausstellung umfasst die letzten Monate der Schuschnigg-Diktatur, den „Anschluss“ an NS-Deutschland 1938, den Kriegsbeginn im September 1939, das Kriegsende 1945 und die bis 1955 andauernde Besatzungszeit. Kindheit war in dieser Zeit von Unsicherheit und Entbehrungen, aber nach 1945 auch von ersten Zeichen des Aufbruchs geprägt.
Die Sonderausstellung „Kinder des Krieges. Aufwachsen zwischen 1938 und 1955“ im Haus der Geschichte des Museums Niederösterreichs in St. Pölten kann noch bis 17. Jänner 2027 besucht werden und richtet sich ausdrücklich auch an Kinder und Jugendliche von heute. Sie bringt ihnen die Lebenswelten von damals auf persönliche und nachvollziehbare Weise näher.