04 Nov. 2025 von lbik

Der Talk der 7. Fakultät II „Immer. Während. Neutral: Geschichte und Zukunft eines umkämpften Konzepts“?

Talk im Unicorn Hub der Universität Graz am 13. Oktober 2025: Barbara Stelzl-Marx und Christoph Bezemek diskutierten ein Thema, das Österreich mehr beschäftigt denn je: Neutralität als politisches Konzept im Wandel.

„Neutralität“ ist vom friedenssichernden Konzept zum politischen Kampfbegriff geworden. Im Gespräch mit Historikerin Barbara Stelzl-Marx, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung und Professorin für europäische Zeitgeschichte an der Universität Graz, diskutierte Christoph Bezemek, Professor für Rechtswissenschaften an der Universität Graz, kurz vor dem Nationalfeiertag seine Entwicklung und die Veränderungen, die es in dieser Entwicklung (auch unausgesprochen) durchgemacht hat. Und er stellt die Frage nach der Zukunftsfähigkeit eines Bekenntnisses, um die es schon zu Beginn unseres Jahrhunderts schlecht bestellt schien: „Lipizzaner, Mozartkugeln oder Neutralität – greifen in der komplexen Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts nicht mehr“ verlautete der damalige Bundeskanzler am 26. Oktober 2001. Gilt dieser Befund in einer Wirklichkeit, die kaum an Komplexität eingebüßt hat, heute mit umso größerer Dringlichkeit? Oder ist es – im Gegenteil – die komplexe Wirklichkeit des 21. Jahrhunderts, die in Anbetracht wechselnder geopolitischer Koalitionen, neuer Konfliktherde und Auseinandersetzungen um knappe Ressourcen Alternativen zum Bewährten deutlich unattraktiver erscheinen lassen?

Bei der Diskussion kamen die wichtigsten historischen Stationen für die österreichische Neutralität – vom Moskauer Memorandum über den Staatsvertrag über das Neutralitätsgesetz 1955 – ebenso zur Sprache wie zentrale Anpassungen etwa durch die Ungarn-Krise 1956 oder den EU-Beitritt 1995. Damit schilderte Barbara Stelzl-Marx auch interessante Anekdoten aus der österreichisch-sowjetischen Geschichte – ganz im Sinne der 7. Fakultät der Universität Graz, Wissenschaft und Forschung einfach und verständlich zu vermitteln, wie Vizerektor Markus Fallenböck einleitend betonte.