13 Mai 2025 von lbik

„Erinnerungen und Reflexionen. Zeitzeug:innen im Gespräch“ im Volkskundemuseum am Paulustor

Anlässlich des 80. Jahrestages des Kriegsendes lud das Volkskundemuseum am Paulustor am 8. Mai 2025 zu einer Gesprächsreihe mit Zeitzeug:innen ein.

Anna Graf-Steiner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, interviewte in diesem Rahmen Ursula Lipsky, die 1939 in Graz geboren wurde und die letzten Kriegswochen 1945 in einer Jagdhütte in St. Jakob/Walde (Steiermark) verbrachte. Frau Lipsky berichtete eindrücklich von ihren Erinnerungen an die letzten Kriegstage und die Ankunft der Roten Armee. Sie schilderte, wie die Nachricht „Die Russen kommen“ in der ländlichen Bevölkerung große Angst auslöste – insbesondere bei Frauen, deren Furcht durch Gerüchte und Propaganda zusätzlich geschürt wurde.

Anton Schneidhofer sprach mit Claudia Unger, Leiterin der Abteilung Volkskunde im Universalmuseum Joanneum, über seine Erlebnisse als Kind in Fischbach während des Kriegsendes und der Besatzungszeit. Anthony Scholz berichtete im Gespräch mit Kuratorin Birgit Johler über die Geschichte seiner jüdischen Herkunftsfamilie, die Erfahrungen von Verfolgung im Nationalsozialismus und die Herausforderungen des Neuanfangs nach 1945. Zudem thematisierte er den gesellschaftlichen Umgang mit der NS-Vergangenheit in den Nachkriegsjahrzehnten.

Die Veranstaltung machte deutlich, wie wichtig es ist, individuellen Erinnerungen Raum zu geben und unterschiedliche Perspektiven hörbar zu machen, um damit nicht in Vergessenheit zu geraten. Die persönlichen Geschichten der Zeitzeug:innen und ihrer Nachkommen eröffneten einen vielschichtigen Blick auf das Kriegsende und seine Nachwirkungen.

Volkskundemuseum des Universalmuseums Joanneum
a. Anna Graf-Steiner mit Ursula Lipsky, Foto: Volkskundemuseum/Johler