Jetzt online: „Wachsendes“ Biografieportal zu Österreichern in der US-Armee
Als „Schaufenster“ in ein laufendes Erschließungsprojekt veröffentlicht Florian Traussnig erste Exil- und Kriegsbiografien zu exilösterreichischen US-Soldaten und Widerstandskämpfern im Zweiten Weltkrieg
Die USA waren ab 1938 Auffangbecken für vor dem NS-Regime geflohene Österreicher und „Anlehnungsmacht“ für den militärischen oder geistigen Exilwiderstand gegen Hitlerdeutschland. Und so kämpften tausende Österreicher – unter ihnen befanden sich vom Hutmacher über den Kabarettisten bis zum Geologen alle Gesellschaftsschichten – während des Zweiten Weltkriegs als „G.I.s“ in der US-Armee. Im Rahmen eines mehrteiligen Forschungsprojekts geht Florian Traussnig, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, der Geschichte dieser Menschen systematisch und biografisch auf den Grund. Während das Projekt im Sinne eines „work in progress“ voranschreitet, können ab sofort auf dem frei zugänglichen, deutsch- und englischsprachigen Online-Portal austriansoldiers.lbg.ac.at erste Kurzbiografien eingesehen werden.
Darunter befindet sich etwa die ebenso inspirierende wie tragische Kriegsgeschichte des Wiener Pianisten und NS-Flüchtlings Otto K. Gruenbaum: Als „Ritchie Boy“ vom US-Armeenachrichtendienst zum Kriegsgefangenenverhörer ausgebildet, half er vor allem sprachlich und geistig mit, Europa und sein ehemaliges Heimatland vom Nationalsozialismus zu befreien. Andere, wie sein Landsmann Irving Becker, kämpften mit der Waffe in der Hand als Kommandosoldaten in US-Uniform. Selbst das Haus Habsburg versuchte sich in den bewaffneten Exilwiderstandskampf innerhalb der U.S. Army einzubringen: Carl Ludwig Habsburg-Lothringen war wie zwei seiner Brüder Soldat im (politisch letztlich gescheiterten, aber nicht wirkungslosen) „Austrian Battalion“.
TIPP: Zum Thema „Otto Habsburgs ‚Operettenkrieger‘?“ spricht Florian Traussnig am 10. Februar im Bildungsforum bei den Minoriten.