„Kontaminiertes Erbe?“: NS-Vergangenheit von BIG-Gebäuden wird sichtbar gemacht
Vorstellung von Ergebnissen des Pilotprojektes „Kontaminiertes Erbe der Bundesimmobiliengesellschaft“ bei Pressekonferenz am 12. Februar 2026. Stelzl-Marx: Erkenntnisse zeigen „Durchdringung sämtlicher Lebensbereiche durch das NS-Regime“.
Im Rahmen des Forschungsprojektes „Kontaminiertes Erbe?“ hat die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) Gebäude ihres Portfolios auf Nutzungen in der NS-Zeit untersuchen lassen – mit deutlichem Ergebnis: Nur zwei von 74 näher untersuchten Gebäuden wiesen keine „Kontamination“ auf. Einige weitere Bauten sollen noch untersucht und die Erkenntnisse öffentlich gemacht werden.
Laut BIG-Geschäftsführer, Christine Dornaus und Gerald Beck, könnten insgesamt 500 bis 600 Immobilien aus dem rund 2.000 Gebäude umfassenden Bestand während der NS-Zeit genutzt worden sein. Täglich betreten etwa 500.000 Menschen in Österreich diese Orte. Man wolle mit der Auseinandersetzung – angestoßen durch die frühere Direktorin des Jüdischen Museums, Danielle Spera – auch das Bewusstsein unter Mitarbeiter:innen und Nutzer:innen für die früheren Abläufe in den Liegenschaften schärfen.
Die wissenschaftliche Leitung liegt bei Barbara Stelzl-Marx, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung und Professorin für Zeitgeschichte an der Universität Graz. Sie beschreibt die Recherche als „Geigerzähler der Geschichte“, der vielfach ausgeschlagen habe.
Zahlreiche Gebäude waren Schauplätze von Verfolgung und Verbrechen durch NS-Justiz und Polizeiapparat. Nach außen bleibt diese Vergangenheit meist unsichtbar – das soll sich nun ändern, so Stelzl-Marx und die BIG-Geschäftsführung.
„Das Ludwig Boltzmann Institut konnte exzellente Forschungsergebnisse vorweisen und passende Referenzprojekte vorlegen. Wirklich entscheidend war aber die Erfahrung des Instituts mit Auftraggebern, die, wie wir, selbst keine Wissenschaftlerinnen oder Zeithistoriker sind.“, erklärt BIG-Geschäftsführerin Christine Dornaus.
Geplant sind eine öffentlich zugänglichegeoreferenzierte Online-Karte mit allen untersuchten Objekten, Infotafeln an ausgewählten Liegenschaften inklusive QR-Codes zuweiterführenden Informationen sowie Veranstaltungen zu betroffenen Objekten. Das Projekt sei nicht „für die Schublade gedacht“, sondern sei als Auftakt in eine umfassende Auseinandersetzung mit dem „kontaminierten Erbe“ zu sehen und soll langfristig zur aktiven Erinnerungskultur und transparenten Vermittlungsarbeit beitragen, betonte BIG-Geschäftsführer Gerald Beck.