07 Apr 2026 by lbik

“Mehr als eine Operette” – “Standard”-Artikel über das Austrian Battalion der US-Armee

Auf Grundlagen der exilbiografischen Forschungen von Florian Traussnig erzählt David Rennert die Geschichte des 1942 in der US-Armee geschaffenen “Austrian Battalion”. Der Journalist arbeitet dabei heraus, dass viele Soldaten dieser u.a. Otto von Habsburg initiierten und gescheiterten “Operettenarmee” letztlich einen wesentlichen Beitrag zur Befreiung Europas vom Nationalsozialismus geleistet haben.

“In einem Ausbildungslager in Indiana begegnen sich Anfang 1943 Männer, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Sie stammen aus Wien, Graz, Salzburg oder den Kronländern der untergegangenen Donaumonarchie. Sie sind Legitimisten, Austrofaschisten, Sozialisten, Juden oder Katholiken. Unter ihnen sind Sportler und Musiker, Bauern und Literaten. Viele sind vor den Nationalsozialisten geflüchtet, andere schon früher ausgewandert, wieder andere eher zufällig hier gelandet. Alle tragen amerikanische Uniform – und sollen doch etwas anderes verkörpern: Österreich.”

So eröffnet Standard-Journalist David Rennert seinen Beitrag über die Forschungen von Florian Traussnig, Mitarbeiter am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, zum so genannten “Austrian Battalion” der US-Armee im Zweiten Weltkrieg. Von Otto Habsburg und konservativen exilösterreichischen Akteuren ins Leben gerufen – und im Mai 1943 frühzeitig aufgelöst –, gilt diese Einheit der US-Armee bis heute als umstrittenes Politikum. “‘Die Geschichte [dieses Bataillons] endet aber nicht 1943’, sagt Florian Traussnig. ‘Eigentlich beginnt sie da erst.’ Für viele Männer”, so Rennert, “bedeutete das Ende der Einheit keineswegs das Ende ihrer Tätigkeit in der Armee.”

So gab es unter den „österreichischen Freiheitskämpfern“ dieser gescheiterten Einheit neben Flüchtlingssoldaten wie dem später an der Westfront verunglückten Kurt Popper, “Männer wie August Prossinger, die es durch Zufall und Pragmatismus ins Camp Atterbury verschlagen hatte. Geboren in Oberösterreich, war Prossinger als Arbeitsmigrant in die USA gekommen. In Los Angeles verdingte er sich als Hausdiener, Gärtner und Stallbursche für die Opernsängerin Maria Jeritza – ein Leben am Rand der großen Emigrantengesellschaft, weit entfernt von den politischen Debatten der Exilorganisationen. Von dort führte ihn sein Weg in die US-Armee.” In den amerikanischen Streitkräften, so führt Rennert weiter aus, “blieb [er] nach der Auflösung im Dienst. Aus dem einstigen Stallburschen wurde ein Vernehmer, der nach Kriegsende an der Aufarbeitung nationalsozialistischer Verbrechen beteiligt war.” Georg von Trapp, auch ein (prominenter) Veteran des “Habsburg-Bataillons”, kämpfte 1945 mit der 10. US-Gebirgsdivision im italienischen Apennin gegen die Deutsche Wehrmacht.

Im laufenden Forschungsprojekt wird die Geschichte dieser Einheit und ihrer Männer nun erstmals in Buchform erzählt, sowie deren Kurzbiografien in einem frei zugänglichen Online-Portal veröffentlicht. David Rennert: “‘Das Österreich-Bataillon’, sagt Traussnig, ‘war letztlich eine Zwischenstation, die Leute sind danach in ganz unterschiedlichen Funktionen weiter im Krieg gewesen – oft mit einem sehr konkreten Beitrag zum Kampf gegen das NS-Regime.’”

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