Museum of Survivors: Erste analoge Ausstellung über die Erfahrungen von jungen Menschen im Krieg
Nach dem Launch des digitalen Museums im März 2025 fand am 26. und 27. November 2025 im WUK Wien, korrespondierend zur Ausstellung „WIR SEHEN EUCH! – Ein Augenblick junger Kunst und Demokratie“ des Wiener Jugendprojekts „Demokratie, was geht?“, die erste analoge Ausstellung des Museum of Survivors mit ausgewählten Geschichten und Objekten statt. Die Ausstellung verband Menschen und Gegenstände über die gemeinsamen Themen „Schweigen und Reden“, „(Un)Willkommen“, „Geraubte Kindheit“ und „Sensing the War“. Anhand der Exponate – Boxhandschuhe, eine Soldatenuniform, eine Jacke – sowie einer Audiostation wurde nahbar gemacht, dass die Erfahrungen von Gewalt und Verlust auch die folgenden Generationen betreffen, und damit uns alle.
Boxhandschuhe, eine Soldatenuniform, eine Jacke – dies sind persönliche Gegenstände, die Erinnerungen an Krieg, Flucht und Unterdrückung mit sich tragen. Das Museum of Survivors zeigte erstmals eine analoge Ausstellung mit Objekten und Geschichten von Zeitzeug:innen und Nachkommen, deren Kindheit oder Jugend von Krieg und dessen Auswirkungen geprägt war. Die Besucher:innen waren außerdem eingeladen, eigene Erinnerungen und Familiengeschichten zu teilen und so Teil des Museums zu werden.
„Copy-Paste” Krieg
Katerina floh mit 17 Jahren von Sarajevo nach Skopje, in die Heimat ihrer Eltern. Als 1992 der Krieg in Bosnien begann, warnte ihre Großmutter: „Nehmt die Dokumente, das Geld und den Schmuck und was euch wichtig ist, packt die Sachen ein!“ Die Familie nahm sie damals nicht ernst, überzeugt, dass sich alles bald beruhigen würde. Als 2022 der Krieg in der Ukraine ausbrach, spürte Katerina dieselbe Ratlosigkeit: „Das ist alles Copy-Paste, der Mensch lernt überhaupt nichts.“
Im Museum of Survivors ist ihre Geschichte gemeinsam mit den Erzählungen von Menschen aus unterschiedlichen geografischen und zeitlichen Kontexten, unter anderem Irak, Ukraine und Afghanistan zu sehen. Sie alle leben heute in Österreich. Die Ausstellung, wie auch das Museum selbst, sensibilisiert einerseits zu Themen wie Krieg, Flucht und Unterdrückung und macht andererseits sichtbar, dass diese persönlichen Erfahrungen untrennbar mit der österreichischen Geschichte verbunden sind, sei es als Zeitzeug:in oder als Nachkomme.
Erzähle Deine Geschichte
Die Geschichten und Objekte des Museum of Survivors stammen aus Interviews, die zwischen 2022 und 2025 in ganz Österreich geführt wurden. Unter der Frage „Was hat Kindheit im Krieg mit mir zu tun?“ lud die Ausstellung im WUK dazu ein, eigene Erfahrungen oder Familiengeschichten zu teilen. Besucher:innen konnten ihre Geschichten aufschreiben, in ein Netz einweben und somit Teil der Ausstellung und der kollektiven Geschichte werden.
Projektteam: Slađana Adamović (Leitung), Klaudija Bilić-Selmanović, Käthe Janssen, Daniele Karasz, Irena Klissenbauer, Birgit Riel-Brandstetter, Lukas Schretter, Nicole Zimmermann (Design).
Wien, 2025
Eine Ausstellung des Museum of Survivors, entstanden in Kooperation zwischen Viartdukt, Search and Shape und dem Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung. Das Museum of Survivors wurde unterstützt von der Stadt Wien, dem Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport, dem Community Arts Lab, dem OEAD – Österreichs Agentur für Bildung und Internationalisierung, dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, der UNIQA, dem Zukunftsfonds der Republik Österreich und dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung.