30 Juni 2025 von lbik

Veröffentlichung des Historischen Jahrbuchs der Stadt Graz – „Demokratisierung in Graz seit 1945. Anspruch und Realität“

Die Präsentation des neuen Doppelbandes (Nr. 53/54) des Historischen Jahrbuchs fand am 17. Juni 2025 im Graz Museum statt.

Unter dem Titel „Demokratisierung in Graz seit 1945. Anspruch und Realität“ widmet sich die diesjährige Ausgabe der Frage, wie demokratische Strukturen nach dem Ende der NS-Diktatur aufgebaut wurden und welche Herausforderungen sowie Entwicklungen die Stadt seither geprägt haben.

Die Herausgeber:innen Friedrich Bouvier, Sibylle Dienesch, Wolfram Dornik, Klaus Reisinger, Karin Schmidlechner sowie Gastherausgeberin Barbara Stelzl-Marx, Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung (BIK) und Professorin für Europäische Zeitgeschichte an der Universität Graz, stellten gemeinsam mit den Autor:innen zentrale Beiträge des Bandes vor. Im Mittelpunkt stand dabei die Auseinandersetzung mit der Rolle von Zivilgesellschaft, Wissenschaft, kommunalen Institutionen und politischen Rahmenbedingungen im demokratischen Wiederaufbau und in der Weiterentwicklung demokratischer Prozesse.

Barbara Stelzl-Marx, Lukas Schretter, wissenschaftlicher Mitarbeiter am BIK und Dieter Bacher, wissenschaftlicher Mitarbeiter am BIK und an der Universität Graz, bereicherten den Band um wichtige zeitgeschichtliche Perspektiven:

„‚Um Hilfe wird gebeten‘. Vergewaltigungen in Graz während der elfwöchigen sowjetischen Besatzung 1945“ – Barbara Stelzl-Marx und Lena Wallner

„Nachkriegsliebe in Graz. Österreichische Frauen, britische Soldaten und ihre ehelichen Kinder nach dem Zweiten Weltkrieg“ – Lukas Schretter

„Ein weitgehend vergessenes Kapitel des Luftschutzes. Luftschutzstollen im Nordwesten von Graz aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges“ – Dieter Bacher, Christian Bauer und Viktor Kaufmann

Besonderes Interesse weckten auch die ergänzenden Beiträge zur Grazer Stadtgeschichte: etwa eine Untersuchung zum Stadtrichterbild des Niclas Strobl, eine Studie über ukrainische Studierende an der Universität Graz sowie eine Analyse zu den Luftschutzanlagen im Westen der Stadt aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Diese Perspektiven erweitern den thematischen Horizont des Bandes und beleuchten bislang wenig erforschte Aspekte der Stadtentwicklung.

Die Präsentation machte deutlich, wie vielschichtig und zugleich aktuell die Auseinandersetzung mit dem Thema Demokratie ist – gerade auf lokaler Ebene. Der Doppelband leistet dazu einen wichtigen wissenschaftlichen Beitrag und regt zur vertieften Reflexion über Vergangenheit und Gegenwart an.

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