Abgeschlossene Projekte der Programmlinie „Kalter Krieg“

Projekt „The Bridge“ zu russischen Archiven

Das Projekt „The Bridge: Connecting Past and Present through Archival Research on Russia“ hat zum Ziel, Studierenden und jungen Wissenschaftlern im Fachbereich „Russian Studies“ Zugänge und verfügbare Aktenbestände in russischen Archiven aufzuzeigen. Das Projekt wird vom Middlebury Institute of International Studies in Monterey, USA, koordiniert.

Peter Ruggenthaler wirkt an diesem Projekt mit und hielt im Rahmen einer Online-Lecture eine Vorlesung zu seinen Arbeiten im RGANI in Moskau und seinen Erfahrungen mit internationalen Forschungsprojekten.

Nähere Informationen können der Website des Projektes und einem Bericht auf H-Net entnommen werden.

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a. Projekt „The Bridge“ zu russischen Archiven.

Geschichtsbuch „Österreich-Russland“

Österreich-Russland, eine spannende, vielfältige Geschichte – durch die Jahrhunderte. Einmal Nachbarn mit gemeinsamen Interessen, dann wieder Feinde. Immer jedoch gab es Brücken zwischen den beiden Ländern: Kulturell, politisch, wirtschaftlich. Dieses Buch der gemeinsamen Geschichte dient dem gegenseitigen Verstehen, ist als Lehrbehelf konzipiert und stellt die wichtigsten Etappen der Beziehungen in den Fokus. Vom Wiener Kongress, über den Krimkrieg bis hin zum Ersten Weltkrieg, als dessen Folge beide Imperien zerbrachen. Der Zweite Weltkrieg forderte auf beiden Seiten ungeheure Opfer an Soldaten und Zivilisten. Zehntausende Österreicher liegen auf russischem Gebiet begraben, Zehntausende sowjetische Kriegsopfer liegen unter österreichischer Erde. 1943 wurde von den Alliierten in Moskau die Wiedererrichtung Österreichs festgelegt, 1945 der Osten Österreichs von der Roten Armee besetzt und vom Nationalsozialismus befreit. Das einzige Original des österreichischen Staatsvertrags liegt im Depot in Moskau. Im Kalten Krieg wurde Wien ein neutraler Brückenbauer zwischen Ost und West. Die österreichisch-russischen Beziehungen seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 sind ein Beispiel konstruktiver, bilateraler Politik.

Ein Projekt der Österreich-Russischen Historikerkommission (ÖRHK)

Projektförderung: Zukunftsfonds der Republik Österreich; Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres.

Das Buch erscheint im Frühjahr 2018 auf russisch und deutsch.

a. Geschichtsbuch „Österreich-Russland“.

Die „Wende“ 1989 in Osteuropa

Das Projekt „Das Ende einer Epoche. Der Kreml und Osteuropa 1989“ widmet sich der sowjetischen Perzeption der „Wende in diesem Jahr. Ereignisse wie die Öffnung des „Eisernen Vorhangs“ durch Ungarn, die Wahl des ersten nicht-kommunistischen Regierungshefs in Polen, der Fall der „Berliner Mauer“, die Annäherung zwischen den USA und der UdSSR und das Ende des „Kalten Krieges“, die „Samtene Revolution“ in der CSSR oder der Umsturz in Bulgarien veränderten binnen weniger Monate das Jahr 1989 das Gesicht Europas.Die Interna der Sicht Moskaus auf diese Ereignisse waren bislang noch nicht freigegeben. Was spielte sich hinter den dicken Mauern des Kremls ab und wie formierte sich im Politbüro jene Konstellation, die schließlich den politischen Umbruch in de Satellitenstaaten zuließ?

Dieses Forschungsprojekt widmet sich genau diesen Prozessen in Ostreuropa. Dazu werden vom Russischen Staatsarchiv für Zeitgeschichte (RGANI) erstmals die einschlägigen ZK-Unterlagen zugänglich gemacht. Ein ergänzendes Bild ermöglichten die Archive der mittelost- und osteuropäischen Staaten. Das Vorhaben ist ein auf drei Jahre angelegtes Kooperationsprojekt mit vielen Forschungsinstitutionen und wird durch die Österreichisch-Russischen Historikerkommission befürwortet. Ein weites Forschungsnetzwerk international renommierter Historiker zur Erforschung des Kalten Krieges bildet die weitere Basis des Forschungsvorhabens.

2012/2013 veranstaltete das Institut gemeinsam mit den Projektpartnern des Netzwerkes vier Arbeitstagungen: in Kooperation mit der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Berlin an der Gedenkstätte Berliner Mauer (Mai 2012); mit dem Österreichischen Kulturforum Budapest und der Ungarischen Akademie der Wissenschaften an der Andrássy-Universität (September 2012), im Mai 2013 die Konferenz „The roots of the collapse of the Soviet Union and the Eastern Bloc – economic aspects (1989/91)“ an der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau in Kooperation mit dem European Network Remembrance and Solidarity und im November 2013 an der Harvard University in Cambridge.

Als Resultat der wissenschaftlichen Zusammenarbeit werden bis Ende 2014, dem 25. Jahrestag des Falls der Berliner Mauer kommentierte Quelleneditionen in deutscher und russischer Sprache sowie drei Bände mit wissenschaftlichen Beiträgen in englischer Sprache erstellt. Die Publikationen folgen dem Muster der Bände über den „Wiener Gipfel 1961. Kennedy und Chruschtschow, „Prager Frühling 1968“ oder die „Rote Armee in Österreich 1945-55“. Die Quelleneditionen werden die wichtigsten Beschlüsse und Entscheidungen der sowjetischen Staatsspitze bzw. der Warschauer-Pakt-Staaten beinhalten, ebenso Beschlüsse des Präsidiums des ZK der KPdSU, Apparates (Abteilungen) des ZK der KPdSU, KGB-Berichte, Analysen sowjetischer Botschaften in Osteuropa u. v. m. Der Beitragsband umfasst eine breite Palette an Themen, beinhaltet wissenschaftliche Aufsätze international renommierter Historiker aus Europa, den USA und Russland und wurde in der Harvard Cold War Book Series (Serienherausgeber: Mark Kramer) publiziert.

Tschechoslowakische Nachrichtendienste in Österreich

Diese Projekte widmnt sich der Identifizierung, Sichtung und Digitalisierung der Österreich-relevanten Akten in den Archiven des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes der Tschechoslowakei in Prag und Bratislava sowie der Grenztruppen in Brno/Kanice. Die tschechoslowakischen Nachrichtendienste waren gemäß westlicher Einschätzungen die aktivsten osteuropäischen Dienste in Österreich. Ergänzend werden britische, amerikanische und österreichische Quellen zu den Aktivitäten ausländischer Nachrichtendienste in Österreich während des Kalten Krieges ausgewertet.

Zentrale österreichische Drehscheibe zur Erforschung der Tätigkeit der tschechoslowakischen Geheimdienste in Österreich während des Kalten Krieges ist die Außenstelle des Instituts in Raabs/Thaya. Mit der Unterstützung der tschechischen Kolleginnen und Kollegen konnten bereits tausende Seiten Aktenmaterial gesichtet und teilweise ausgewertet werden.

Die Recherchen und Auswertung der Quellen erfolgt v. a. nach folgenden Schwerpunkten: die in Österreich zwischen 1945 und 1989 aktiven tschechoslowakischen Geheimdienststrukturen, die strategischen und operativen Ziele sowie Felder der geheimdienstlichen Operationen, österreichische Informanten und Mitarbeiter, der „Eiserne Vorhang“ als tödliche Barriere zwischen beiden Staaten, Auswahl und Rekrutierung von Geheimdienst-Mitarbeitern und Zuträger, Agenten, Spione.

Im Rahmen der Projekte wurden neben den Forschungen bereits mehrere projektinterne Workshops sowie Konferenzen zum Thema „Die Rolle und Operationen der tschechoslowakischen Geheimdienste in Österreich 1945-1989“ organisiert und durchgeführt.

Erste Ergebnisse der Projekte wurden etwa 2013 in der Publikation „HALT! Tragödien am Eisernen Vorhang. Die Verschlussakten“ und weiteren wissenschaftlichen Artikeln der Öffentlichkeit vorgestellt.

a. Tschechoslowakische Nachrichtendienste in Österreich.

Der Zerfall der Sowjetunion 1991

Das vorliegende Forschungsprojekt befasst sich mit den Entwicklungen und Mechanismen, die 1991 zum Zerfalls der UdSSR und zur Neugestaltung der politischen Landkarte in Osteuropa geführt haben. Das Projekt wird von einem internationalen Forschungsnetzwerk durchgeführt und wertet bislang nicht zugängliche Aktenmaterialien aus Russland und weiteren osteuropäischen Archiven aus.

Vor einem Vierteljahrhundert trat das ein, womit nicht einmal die erfahrensten Beobachter gerechnet hätten: zunächst löste sich der Ostblock auf, schließlich die Sowjetunion selbst. Die baltischen Staaten, Weißrussland, die Ukraine, die kaukasischen und zentralasiatischen Sowjetrepubliken erlangten ihre Unabhängigkeit.

Die Historiographie hat sich bislang nur in Ansätzen dem Zerfallsprozess annähern können. Was der Sowjetunion letzten Endes den entscheidenden Todesstoß versetzt? Aufgrund der in den letzen Jahren geöffneten und im geplanten Projekt zu erwartenden neuen Akten des ZK der KPdSU, des Politbüros und des Obersten Sowjets wird dieser Zerfallsprozess mit seinen ungeheuren Auswirkungen auf Europa und die Welt dargestellt werden können. Der Putsch im August 1991, als die „alten Mächte“ noch einmal versuchten, das Steuer herumzureißen, über die Fragen einer Konföderation der 15 Unionsrepubliken, die Umgestaltung des Finanzsystems, die Nationalitätenfragen (Tschetschenien, Südkaukasus, Abchasien, Georgien, Berg-Karabach, Moldau-Transnistrien, die Schwarzmeer-Region, das Baltikum und die Ukraine, als das größte europäische Land).

Der Zerfall der Sowjetunion 1991, die damit zusammenhängen außen-, militär- und sicherheitspolitischen Fragen, die ökologischen und wirtschaftlichen Probleme gehören ebenfalls zentral in diesen Forschungskomplex. Ebenso wie die Chancen, die sich durch die Öffnung der Länder und Märkte für den „Westen“, darunter auch für Österreich, auftaten.

Das Vorhabens-Projekt 2015-2017 schließt nahtlos an das am BIK durchgeführte Forschungsprojekt über das Revolutionsjahr 1989 an. Es wird ein breit angelegtes Forschungsnetzwerk (unter Beteiligung von Wissenschaftlern aus der baltischen Republiken, der Ukraine, Weißrussland, Moldawien/Rumänien und der südkaukasischen Staaten) diesen Fragestellungen nachgehen.

a. Der Zerfall der Sowjetunion 1991

Sowjetische Besatzung in Dokumenten

Ziel des österreichisch-ungarisch-rumänischen Forschungsprojektes ist die Herausgabe eines englischsprachigen Dokumentenbandes mit einleitender Analyse und vergleichender Darstellung des sowjetischen Vorgehens in Österreich, Ungarn und Rumänien nach 1944/45. Der Band umfasst das Kriegsende 1945 sowie die ersten Jahre des Frühen Kalten Krieges – bis zur entscheidenden Phase der Konsolidierung des Ostblocks (Machtübernahme der Kommunisten in Ungarn und Rumänien 1948 und die Ausrufung von „Volksrepubliken).

Dem Dokumentenband lag die unten erwähnte Tagung 2010 in Budapest zugrunde, auf der die Methoden der sowjetischen Politik in Ungarn und Österreich zu verschiedenen Themenfeldern wie Politik, Wirtschaft, Kriegsgefangenschaft, Spionage und Rote Armee verglichen wurden. Da auch in der „westlichen“ Historiographie nach wie vor Mythen („Der Aufbau und die Konsolidierung des Ostblocks waren eine Antwort auf den Marshall-Plan der USA“), die ihre Wurzeln in der sowjetischen Propaganda finden, verbreitet werden, stellen sich die Herausgeber des Dokumentenbandes zum Ziel, Schlüsseldokumente zu den entscheidenden Phasen der sowjetischen Besatzung und Politik zu publizieren, die bisher allgemein verbreitete Erklärungsmuster revidieren.
Das Projekt wurde 2012 abgeschlossen. Die Quellenedition erschien 2015 bei CEU Press Budapest – New York.

a. Sowjetische Besatzung in Dokumenten.

Jakob Hasslacher u. d. Hasslacher Unternehmensgruppe

Am Beispiel der Kärntner Unternehmerfamilie Hasslacher – und insbesondere des langjährigen Firmenchefs Jakob Hasslacher – wurden kriegs- und systembedingte Brüche, Kontinuitäten und Netzwerke in der österreichischen Holzindustrie herausgearbeitet: Vom Ende der Monarchie über die politischen Spannungen der Ersten Republik, das „Dritte Reich“ und den Zweiten Weltkrieg bis in die Nachkriegs- und Besatzungszeit. Thematisiert werden in diesem Kontext auch die Wechselwirkungen und Verflechtungen von Teilen der weitverzweigten Familie mit dem NS-System.

Der 1901 von Jakob Hasslacher gegründete Betrieb, ein Sägewerk in Feistritz bei Sachsenburg, wuchs über die Jahrzehnte zu einer internationalen Unternehmensgruppe mit rund 900 Mitarbeitern heran. Die Studie setzte den Schwerpunkt auf Leben und Wirken des Unternehmensgründers Jakob Hasslacher. Heute ist die Hasslacher-Gruppe der drittgrößte Konzern der heimischen Sägeindustrie.

Im Jahr 2012 wurden die Recherchen abgeschlossen und ein Forschungsbericht erstellt.

Die Miba. Eine historische Analyse

Im Rahmen dieses Projektes wurde erstmals die Geschichte des Unternehmens in wirtschaftlicher Dimension nachgezeichnet. Es wurde die Entwicklung der Miba im Kontext des kurzen Aufschwunges Ende der 1920er-Jahre, den Folgen der Weltwirtschaftskrise (insbesondere für die österreichische Metallbranche) in den 1930er Jahren, der Kriegswirtschaft und Rüstungskonjunktur des „Dritten Reiches“, den schwierigen Bedingungen in den Nachkriegsjahren bis hin zum Fall des „Eisernen Vorhangs“ 1989 und den sich daraus ergebenden Chancen nachgezeichnet.

Dadurch entstand eine in die österreichische Wirtschafts- und Zeitgeschichte eingebettete Firmengeschichte zur Entwicklung der Miba von der 1927 gegründeten Schlosserei bis hin zum heutigen weltweit führenden Unternehmen in den Bereichen Gleitlager, Sinterformteile und Reibbeläge mit über 4000 Mitarbeitern.

Die Aufarbeitung erfolgte auf Basis umfangreicher Recherchen anhand von Primärquellen, v. a. aus dem Firmenarchiv der Miba sowie Archiven in Gmunden, Linz, Wien und Berlin. Diese wurden ergänzt mit Informationen aus Geschäftsberichten und Berichten von Mitarbeitern des Unternehmens sowie der Familie Mitterbauer, die das Unternehmen vor knapp einem Jahrhundert gründete und noch heute führt. Die Projektergebnisse wurden im August 2012 unter dem Titel „Wachstum in der Bewegung“ in deutscher und englischer Sprache publiziert.

a. Die Miba. Eine historische Analyse.

Der Wiener Gipfel 1961

Dieses Forschungsprojekt widmete sich dem Gipfeltreffen zwischen Nikita S. Chruschtschow und John F. Kennedy im Juni 1961 in Wien. Über 60 Historiker und an den damaligen Ereignissen beteiligte Personen arbeiteten 3 Jahre lang in einem internationale Forschungsnetzwerk zu diesem Thema. Es beleuchtete nicht nur das Treffen selbst, sondern auch die zu diesem Zeitpunkt herrschende weltpolitische Lage, eine nicht unheikle und „heiße“Phase des Kalten Krieges.

Anfang Juni 1961 sollte der Kalte Krieg eine Atempause einlegen. Die Führer der beiden Supermächte, John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow, trafen sich zum Gipfel in Wien. Doch die Hoffnungen trogen. Binnen Monaten war der Kalte Krieg ganz heiß: In Berlin ließ Chruschtschow die Mauer bauen. Und im Jahr darauf schickte er Raketen nach Kuba, um die USA direkt zu bedrohen. War der Wiener Gipfel ein Fehlschlag? Ja, denn es gab kaum zählbare Ergebnisse. Nein, denn erstmals sahen die Supermächte, dass es nur einen Weg gab, der Apokalypse ihrer Atom-Arsenale zu entrinnen: den Dialog. Der „Friede durch Angst“ und der „heiße“ Draht zwischen Washington und Moskau verhinderten eine atomare Konfrontation. Österreich stellte dabei seine neue Rolle als neutraler Staat und Gastgeber erfolgreich unter Beweis. Wien wurde zum Ort der Begegnung im Kalten Krieg. Auf Basis neuer russischer und westlicher Quellen analysieren internationale Experten, was sich damals wirklich abspielte. Und wie nahe man an einer Katastrophe vorbeischrammte.

Die Arbeiten dazu erfolgten während eines dreijährigen internationalen Forschungsprojektes: Über 60 Historikerinnen und Historiker und damals handelnde Persönlichkeiten aus Europa, Russland und den USA arbeiteten in einem großen Forschungsnetzwerk unter Leitung des Instituts am Thema.

Die Projektergebnisse wurden 2011 durch Publikationen in deutscher und russischer Sprache sowie mehrerer internationaler Konferenzen (25. März 2011 an der Harvard-University und 19.–21. Mai 2011 an der Diplomatischen Akademie Wien) der Öffentlichkeit präsentiert und in einem rund 1000-seitigen Sammelband mit Beiträgen von über 40 Experten publiziert. 2014 erschien in der Reihe „Cold War Studies Book Series“ an der Harvard-University eine englische Ausgabe des Bandes, der, wie schon zuvor der englische Band zum „Prager Frühling“, vom Rezensionsmagazin „Choice“ des US-amerikanischen Bibliothekenverbundes im Bereich „History, Geography & Area Studies“ als eines von 14 Büchern zum „Outstanding Academic Title 2014“ gekürt.

a. Der Wiener Gipfel 1961.