Kontaminiertes Erbe der Bundesimmobiliengesellschaft

Projekt „Kontaminiertes Erbe?“

Die Bundesimmobiliengesellschaft lässt ihre Liegenschaften zeitgeschichtlich aufarbeiten und startet Pilotprojekt mit Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung

Zum Projekt:

Historisch belastete Orte und Landschaften sind ein wichtiger, aber in der öffentlichen Wahrnehmung oft vernachlässigter Teil der Gewaltgeschichte des NS-Regimes. Während zentrale Orte des Verbrechens wie das Konzentrationslager Mauthausen zu Recht Teil des öffentlichen Gedenkens und der Vermittlungsarbeit sind, bestehen immer noch große Forschungslücken im Zusammenhang mit Liegenschaften, die vom NS-Regime als Amtsgebäude genutzt wurden und die sich heute zu einem Teil auch im Immobilienportfolio der ARE Austrian Real Estate, einer Konzerntochter der Bundesimmobiliengesellschaft, befinden.

Das Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung wird mit dem von Barbara Stelzl-Marx geleiteten Projekt „Kontaminiertes Erbe?“ einen Beitrag zur Schließung dieser Lücken leisten. Am Beginn steht eine Pilotstudie, die ein kleineres Sample an Liegenschaften betrachtet und untersucht, welchen Bezug es möglicherweise zum NS-Regime gab. Auf Basis einer vertiefenden Recherche zu diesen Gebäuden wird ein Kriterienkatalog zur Bewertung einer größeren Anzahl an Liegenschaften entwickelt. Gleichzeitig wird in der Pilotstudie die Vorgehensweise erprobt, wie NS-zeitlich belastete Objekte innerhalb des umfangreichen Immobilienportfolios der BIG identifiziert werden können.

Die Ergebnisse des Pilotprojekts sind seit Ende September 2026 öffentlich zugänglich. Die neue Online-Landkarte erzählt die Geschichte der untersuchten Liegenschaften der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) von ihrer Nutzung zwischen 1938 und 1945 bis zum Umgang mit den Gebäuden nach Kriegsende und wird durch historische Fotografien ergänzt.

Im Rahmen des Pilotprojekts wurden 74 Amtsgebäude in Wien und Umgebung sowie in der Steiermark untersucht. Bei 72 davon konnte eine Nutzung durch das NS-Regime bestätigt werden.

Die Online-Landkarte wird laufend erweitert. Geplant sind außerdem Informationstafeln mit QR-Codes vor Ort sowie Informationsveranstaltungen.

Zur Online Landkarte

Das Projekt wird in Kooperation mit der Universität Graz durchgeführt.

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