Abgeschlossene Projekte der Programmlinie „Weltkriege“

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„My job will be rock climbing …“ Digitale Kurzbiografien und Datenbank zu Exilösterreichern in der 10. US-Gebirgsdivision des Zweiten Weltkriegs

Wieviele (Exil-)Österreicher dienten während des Zweiten Weltkriegs in der US-Gebirgstruppe? Wie sahen ihre Kriegsbiografien aus? In welchen historischen, kulturellen und gesellschaftlichen Kontext war dieser Lebensabschnitt eingebettet?

UPDATE:

Das frei zugängliche und bilinguale Online-Portal ist nun unter mountaintroops.lbg.ac.at abrufbar!
The open access online platform is now accessible via mountaintroops.lbg.ac.at!

Project Synopsis in English

Die sogenannte 10th Mountain Division war im Zweiten Weltkrieg nicht nur der einzige auf Gebirgskampf und Wintereinsatz spezialisierte Großverband der US-Landstreitkräfte. Diese inmitten des Kriegs hastig neu gegründete und semi-elitäre sowie militärisch gegen Kriegsende erfolgreich in Erscheinung tretende Infanterietruppe war auch ein Auffangbecken für exilierte Österreicher bzw. „1938er“-Flüchtlinge, darunter dutzende Winter- und Bergsportler. Die von Nationalsozialismus und Krieg ausgelösten Verwerfungen ihrer Zeit sollten letztere während des Kriegs nach Camp Hale, ein auf rund 2.800 Meter gelegenes Barackenlager in den Rocky Mountains von Colorado, verschlagen. Dieser ungewöhnliche Ort war nunmehr die „homebase“ der neuen US-Gebirgskrieger.

Alle Namen sowie biografischen Grunddaten der über 100 (meist ab 1938 geflohenen) Österreicher in dieser militärisch, soziologisch und kulturell speziellen Einheit werden eruiert und in einer Datenbank dokumentiert. Zusätzlich werden kurze Exil- bzw. Kriegsbiografien aller betroffenen Personen sowie ein mit kulturwissenschaftlichen Perspektiven ergänzter historischer Essay verfasst. Die Forschungsergebnisse werden in deutscher und englischer Sprache auf der BIK-Homepage veröffentlicht und frei abrufbar sein. Die medial zeitgemäße Darstellung der Schicksale und Lebensgeschichten dieser besonderen, vielfach Antifaschismus mit Alpinismus verbindenden Personengruppe sollen Letztere einerseits im historischen Gedächtnis der Republik Österreich nachhaltig(er) verankern und andererseits mithelfen, diese Forschungen mit dem äußerst vitalen US-amerikanischen Diskurs in diesem Feld zu vernetzen.

Das biografische Online-Projekt zu exilösterreichischen US-Gebirgssoldaten wird vom Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus und vom  Zukunftsfonds der Republik Österreich gefördert und am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung durchgeführt. Der Austrian-American Partnership Fund unterstützt die transatlantische Vermittlung des Projekts unter dem Titel “So it was that we trained in this valley shrouded with smoke”: Shifting Perspectives on Mountains, Wars, and Recreational Businesses – A Public Outreach and Educational Initiative.

Das Center for Inter-American Studies der Uni Graz ist Kooperationspartner (Projektleitung: Florian Traussnig, Projektmitarbeiter: Robert Lackner, studentische Mitarbeiterinnen: Tabita Pfleger, Theresa Reinalter).

Einführende Literatur:

Florian Traussnig, Militärischer Widerstand von außen. Österreicher in US-Armee und Kriegsgeheimdienst im Zweiten Weltkrieg. Wien: 2016, 151-206. (Weitere Informationen zum Buch)

Von Pionierinnen der St. Pöltner Kinder- und Jugendfürsorge und ledigen Müttern als ihren Fällen: Ein Beitrag zur lokalen Geschlechtergeschichte

Das zweisemestrige BA-Projekt widmet sich der Geschichte der niederösterreichischen Fürsorge bzw. Kinder- und Jugendhilfe aus dem Blickwinkel der Geschlechterperspektive. Die Studierenden arbeiten empirisch: Im Mittelpunkt stehen historische Quellenrecherchen, ergänzend werden qualitative Interviews mit Frauen, die noch Erfahrung mit der Amtsvormundschaft als ledige Mütter gemacht haben, bzw. mit pensionierten Sozialarbeiter:innen durchgeführt. Dadurch wird ein Beitrag zur lokalen Professionsgeschichte im Berufsfeld Kinder- und Jugendhilfe geleistet.

Die Lehrveranstaltung versteht sich als ein interdisziplinäres Forschungsprojekt, welches Sozial(arbeits)- und Geschichtswissenschaft miteinander verknüpft, und ist in das first-Forschungsnetzwerk für interdisziplinäre Regionalstudien eingebunden.

Projektteam: Anne Unterwurzacher (Ilse Arlt Institut für Soziale Inklusionsforschung), Nadjeschda Stoffers

Projektlaufzeit: 01.09.2023–30.09.2024

Weitere Informationen auf der Homepage der FH St. Pölten
a. FH St. Pölten, Foto: BIK/Stoffers

Ukrainische Kriegstote 1941-1955

Der Toten zu gedenken gehört zur menschlichen Kultur, der Gefallenen und Kriegstoten beider Seiten zu gedenken gehört zur Bewältigung und Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse von Kriegen für nachfolgende Generationen. Dies betrifft auch die etwa 90.000 Kriegstoten des Zweiten Weltkrieges der ehemaligen Sowjetunion, die in österreichischer Erde bestattet wurden, zu einem großen Teil auf Orts-Friedhöfen.

Mit dem Ziel, eine Zusammenstellung von Ukrainerinnen und Ukrainern unter den sowjetischen Kriegstoten der Jahre 1941-1955, die in Österreich bestattet sind, vorzulegen, nahm das LBI für Kriegsfolgenforschung im Juni 2023 die Arbeiten im Rahmen des vom BMI geförderten Projektes auf.

Projektleitung: Stefan Karner
Projektmitarbeit: Martin Sauerbrey, Zhenja Nazaruk
Laufzeit: 2023- 2024
Fördergeber: Bundesministerium für Inneres

Die Steiermärkische Landesbibliothek in der NS-Zeit

Die Steiermärkische Landesbibliothek (StLB) kann als heute älteste und größte Landesbibliothek Österreichs auf eine lange Tradition als wissenschaftliche Bibliothek zurückblicken: 1812 wurde sie auf Grundlage einer Privatsammlung (ca. 30.000 Exemplare) von Erzherzog Johann gegründet. Nach der 1847 erfolgten staatlichen Anerkennung der „Technischen Lehranstalt am Joanneum“ und deren Erhebung in den Rang einer Technischen Hochschule 1865 nahm die Bibliothek zunehmend den Charakter einer Hochschulbibliothek an. Als die Technische Hochschule samt Lehrmittelbestand und -dotierung 1874 vom Staat übernommen wurde, stand die Bibliothek beinahe vor der Schließung. Mit der Übernahme der umfassenden Privatbibliothek des Franz Ritter v. Heintl von rund 23.000 Bänden und Heften 1881 war jedoch nicht nur der Weiterbestand der Einrichtung gesichert, sondern auch die Umwandlung in eine „Landesbibliothek“ vollzogen. 1932 übernahm die StLB den dichterischen Nachlass Peter Roseggers als Dauerleihgabe.
Ab den 1960er-Jahren setzte sich an der StLB eine Schwerpunktverlagerung auf die Pflege der Geisteswissenschaften durch bei gleichzeitiger Sammlung, Bewahrung und Erschließung des steirischen Schrifttums. Mit Jänner 2014 übernahm Katharina Kocher-Lichem die Leitung der Bibliothek. Heute sieht sich die StLB als Bildungseinrichtung für alle BürgerInnen des Landes und als ein modernes Kultur- und Kommunikationszentrum, welches das steirische Kulturerbe verwaltet. „Sie versteht sich als wissenschaftliche Bibliothek mit stark geisteswissenschaftlicher Ausrichtung.“ Der Bestand umfasst mittlerweile mehr als 765.000 Bände und 25.000 digitale Medien.

Zum Projekt:

Eine wissenschaftliche Betrachtung der StLB in der NS-Zeit liegt bis dato nicht vor. Abgesehen von dem kurzen geschichtlichen Abriss „Die Steiermärkische Landesbibliothek“ von Hans Hegenbarth, der die Jahre 1938 bis 1945 auf einer halben Seite streift, und Dieter A. Binders Aufsatz zum Bibliotheksdirektor der StLB zwischen 1937 und 1954 Julius Franz Schütz, in dem er dessen NSDAP-Zugehörigkeit mit Einheits-Eintrittsdatum der „Illegalen“ per 1. Mai 1938 thematisiert, gibt es keinerlei und schon gar keine tiefergehenden Arbeiten auf diesem Gebiet.
Dieses Desiderat zu beheben, ist Ziel des geplanten, eineinhalbjährigen Forschungsprojekts, das von der Antragstellerin geleitet sowie durchgeführt wird und am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung (BIK) angesiedelt ist. Als Kooperationspartner fungieren die Universität Graz – Institut für Geschichte, die Steiermärkische Landesbibliothek sowie die Historische Landeskommission für Steiermark (HLK).
Das Projekt versteht sich als Beitrag zur Erforschung der Geschichte österreichischer (wissenschaftlicher) Bibliotheken während der NS-Zeit sowie zur Erinnerung an das nationalsozialistische Unrecht und soll eine Lücke bei der Erforschung der Folgen des NS-Regimes schließen. Als Untersuchungszeitraum formuliert es die Jahre 1933 bis 1950, um jeweils Vor- und Nachbedingungen bzw. Rahmenbedingungen in die Betrachtungen miteinfließen lassen zu können. Anhand eines umfassenden Quellenstudiums werden drei zentrale Themenbereich – Personal-, Erwerbungs- und Bestandspolitik sowie Bibliotheksbetrieb – Gegenstand der wissenschaftlichen Aufarbeitung sein. Eine Publikation soll als Abschluss des Projektes sämtliche Forschungsergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen; ihre Inhalte können auch als Basis für eine Ausstellung dienen. Ein Peer-Reviewed-Artikel soll zudem der wissenschaftlichen Fachwelt das Thema näherbringen.

Vom Zukunftsfonds der Republik Österreich geförderte Oral History-Projekte. Eine ausgewählte Projektauflistung mit inhaltlichem Fokus auf die NS-Zeit aus Perspektive der Opfer

Ziel ist eine Auflistung der vom Zukunftsfonds der Republik Österreich geförderten Projekte, in deren Rahmen Interviews über die Zeit des Nationalsozialismus mit vom Regime verfolgten Personen geführt wurden. Insgesamt werden mehr als 3.600 Projekte untersucht.

Projektförderung: Zukunftsfonds der Republik Österreich (P23-4989)

Projektverantwortliche: Nadjeschda Stoffers

Projektlaufzeit: Juni 2023 – September 2023

a. Foto: BIK/Stoffers

Portisch Interviews Österreich II

Mit „Österreich I“ und „Österreich II“, den erfolgreichen Dokumentationsreihen von Hugo Portisch, wurde seit Anfang der 1980er Jahre Fernsehgeschichte geschrieben. Die historische Aufarbeitung der Ersten und Zweiten Republik erhielt dadurch wesentliche Impulse.

Im Zuge der Aktualisierung dieses beachtlichen audiovisuellen Werkes geriet zuletzt bislang unverwendetes, nicht gesendetes Material in den Fokus der Betrachtung. Mehrere Institutionen versuchen nun gemeinsam mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und dem ORF-Archiv, die rund 1000 Zeitzeugeninterviews zu erfassen. Eine Datenbank mit genauen inhaltlichen Angaben soll einer breiteren Öffentlichkeit, Forschern und Studierenden zugänglich gemacht werden.

Projektleitung: Hannes Leidinger
Projektmitarbeit: Karin Moser
Laufzeit: 2022-2023
Fördergeber: ÖZF

Projektbericht

NS-Zwangsarbeit in Graz und St. Pölten

Zivile Zwangsarbeiter bildeten ein entscheidendes Rückgrat der NS-Kriegswirtschaft. Allein auf dem Gebiet des heutigen Österreich waren während des Zweiten Weltkriegs 580.000 „Fremdarbeiter“ aus beinahe allen Gebieten Europas im Zwangsarbeitseinsatz. Über den Einsatz ziviler „Zwangsarbeiter“ führten die Meldebehörden penibel Buch.

Das BIK erstellte eine Datenbank der Meldekarteien, die im Stadtarchiv Graz archiviert sind. Organisation und Abwicklung der NS-Zwangsarbeit auf lokaler Ebene konnten so rekonstruiert werden, genau so wie Einblicke in den Lageralltag und in Wohn- und Unterbringungsverhältnisse gewonnen werden konnten. Um die Ergebnisse in Bezug auf ihre Besonderheiten einzuordnen, bot sich ein Vergleich mit einem entsprechenden Zwangsarbeiterlager (Glanzstoffwerke in St. Pölten), zu dem eine derartige Datenbank bereits existiert, an zu den dort untergebrachten/inhaftierten Österreichern am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung (BIK) sind methodisch der Ausgangspunkt für die wissenschaftliche Aufarbeitung der österreichischen Kriegsgefangenen auf dem Gebiet des heutigen Moldawien.

Über das Projekt:
Das Forschungsprojekt wurde am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung in Kooperation mit dem Institut für Geschichte der Universität Graz und dem Graz Museum/Stadtarchiv Graz durchgeführt.

Rückfragen für Betroffene und Forschende zur NS-Meldekartei im Grazer Stadtarchiv: znegvan.cbpx@fgnqg.tenm.ng

Projektleitung: Barbara Stelzl-Marx
Projektkoordination: Martin Sauerbrey-Almasy
Projektmitarbeit: Theresa Reinalter, Tabitha Pfleger, Andreas Hiess, Mirella Pemberger, Simon Ullrich, Gregor Diez, Noah Westermayer, Martina Schneid
Laufzeit: 2021–2023
Fördergeber: Stadt Graz (Kulturamt), Fördergeber des Vorprojekts: Zukunftsfonds der Republik Österreich, Land Niederösterreich

a. Allein auf dem Gebiet des heutigen Österreich waren während des Zweiten Weltkriegs 580.000 „Fremdarbeiter“ aus beinahe allen Gebieten Europas im Zwangsarbeitseinsatz.

Moldauische Kriegstote des Zweiten Weltkrieges in Österreich

Auf einen ersten Teil, welcher das Schicksal von mehr als 1.000 österreichischen Kriegsgefangenen auf dem Gebiet der heutigen Republik Moldau 1945–1955 erfasst hat und vor zwei Jahren in Chișinău präsentiert wurde, folgt nunmehr ein zweiter Teil, welcher den moldauischen Kriegstoten in Österreich 1942–1955 gewidmet ist.

Projektleitung: Stefan Karner
Projektmitarbeit: Martin Sauerbrey, Zhenja Nazaruk
Laufzeit: 2022-2023
Fördergeber: GRAWE

Ausstellung „Tacheles reden: Antisemitismus als Gefahr für die Demokratie“

Die im Jänner 2023 eröffnete Ausstellung in der Parlamentsbibliothek beleuchtete die Bedeutung des Judenhasses für die Gesellschaft Österreichs, mit einem Schwerpunkt auf der Zeit ab 1848 und den Bezugsraum Parlament. In vier Themenbereichen wurden den Besucherinnen und Besuchern aktuelle Erscheinungsformen der Ablehnung und des Hasses gegen Jüdinnen und Juden erläutert, und deren christliche Ursprünge und lange Vorgeschichte erklärt. Dem Zivilisationsbruch Shoah wurde besondere Aufmerksamkeit gewidmet und die Bedeutung des Gedenkens an diesen Völkermord für den Umgang mit Antisemitismus thematisiert. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Antisemitismus als ideologisches Instrument in der österreichischen Politik und damit auf den Gefahren, die von Judenhass für die Demokratie ausgehen. In die Inhalte führten vier Objekte und Animationen ein, Herausziehelemente aus den Bibliotheksregalen luden zur Vertiefung ein.

Die Ausstellung war in der von Philipp Lesiak kuratierten Form bis Februar 2024 zu sehen. Im März 2024 eröffnete eine von der Parlamentsdirektion überarbeitete Ausstellung, mit einem neuen Schwerpunkt auf dem jüdischen Leben in Österreich.

Die im Jänner 2023 ausgestellten Objekte waren:

Sticker „Impfen macht frei“, 2021
Dieser Sticker wird im April 2021 in Wien gesammelt und bezieht sich auf die Impfstrategie zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie. Die Wahl des Spruches und die Gestaltung des Stickers reproduzieren Propaganda und Ideologie des Nationalsozialismus, da die Phrase „Arbeit macht frei“ als Toraufschrift an Konzentrationslagern angebracht wurde. Der Sticker verhöhnt damit Opfer des Nationalsozialismus.

Leihgeber: Haus der Geschichte Österreich

Silberner Taufbecher mit Widmung von Georg Heinrich Ritter von Schönerer, sowie einem Bild Ottos von Bismarck, 1914
Diese Taufbecher wird dem Täufling von Georg Ritter von Schönerer, einem radikalen Antisemiten und deutschnationalen Politiker, gewidmet. Das Objekt verweist sowohl auf den christlichen Antijudaismus, nicht zuletzt auf jenen Martin Luthers, als auch auf den modernen Antisemitismus, vor allem getragen von der deutschnationalen Bewegung.

Leihgeberin: Evangelische Superintendenz A.B. Niederösterreich

Kippa aus dem Besitz Walter Fantl-Brumliks, 1937
Die Kippa wird von Walter Fantl-Brumlik (1924–2019) bei seiner Bar-Mizwa im März 1937 in der Synagoge von St. Pölten getragen. Vor der Deportation nach Theresienstadt wird sie zur Aufbewahrung an eine Vertraute weitergegeben. Er überlebt als einziger seiner engsten Familie Auschwitz-Birkenau und den Todesmarsch und kehrt nach Wien zurück. Bis 2014 stellt er sich als Zeitzeuge zur Verfügung.

Leihgeber: Landessammlungen Niederösterreich

Zigarrenetui aus dem Besitz Karl Luegers, um 1880
Karl Lueger (1844–1910) ist Gründer der Christlichsozialen Partei und von 1897 bis 1910 Wiener Bürgermeister. Die krude und beleidigende antisemitische Rhetorik, derer er sich in der Öffentlichkeit bedient, gibt ein Vorbild für künftige Politiker ab, welche nicht zuletzt die Politik der Ersten Republik prägen.

Leihgeber: Landessammlungen Niederösterreich


Kurator: Philipp Lesiak
Laufzeit: Juli 2021-Jänner 2023
Fördergeber: Parlament

Mehr Informationen

Das deutschsprachige Exil in Kanada

Flucht und Vertreibung von Österreich nach Kanada nach dem „Anschluss“ 1938 wurden bislang nur fragmentarisch untersucht; eine systematische und umfassende Erforschung des erzwungenen Exils in Kanada ist noch ausständig. Das Forschungsprojekt möchte dazu beitragen, das bestehende Forschungsdesiderat zu verringern.

Projekt: „Flucht, Deportation, Internierung. Auf den Spuren österreichischer NS-Flüchtlinge in Kanada“

Das Projekt rückt einen in Österreich (und auch in Deutschland) bislang wenig rezipierten Aspekt der Exilforschung in das Blickfeld. Es werden Namen, biografische Grunddaten und, wenn verfügbar, weitere Daten jener Männer erfasst, die 1938/39 vor den Nationalsozialismus nach Großbritannien geflüchtet waren und auf drei Schiffen im Juli 1940 als „enemy aliens“ nach Kanada deportiert und dort in Internierungslagern festgehalten wurden. Die in kanadischen, britischen und österreichischen Archiven erhobenen Daten sollen eine Grundlage schaffen, um die Österreicher in der Gruppe der verschifften deutschsprachigen Flüchtlinge zu identifizieren und können als Basis für weitere biografische und kollektiv-biografische Untersuchungen, etwa zur Ermittlung der geografischen und sozialen Herkunft der so genannten „internierten Flüchtlinge“, ihrer Altersstruktur und beruflichen Ausbildung bzw. ihrem weiteren Werdegang in Kanada oder anderswo dienen.

Im Zuge der Recherchen wurden bislang 663 Österreicher unter den nach Kanada deportierten Flüchtlingen identifiziert. 343 Männer kehrten während des Zweiten Weltkriegs nach Großbritannien zurück; nachdem die unrechtmäßige Deportation von Flüchtlingen nach Kanada dem britischen Parlament und der Öffentlichkeit bekannt geworden und stark kritisiert worden war, hatte die britische Regierung eine Rückkehrmöglichkeit nach einer individuellen Fallprüfung eingeräumt. Weitere sieben Österreicher wurden in Drittstaaten entlassen (z.B. Kuba, Argentinien) und 313 österreichische Männer verblieben in Kanada. Sie wurden in einem rund zweijährigen Prozess bis Ende 1943 aus der kanadischen Internierung entlassen. Ein Großteil von ihnen verblieb in Kanada und baute sich dort ein neues Leben auf. Ein kleinerer Teil wanderte später weiter (v.a. in die Vereinigten Staaten von Amerika); Gründe dafür waren Ausbildungsmöglichkeiten, Arbeitsangebote oder auch der Wunsch, mit überlebenden Verwandten wieder zusammen leben zu können.

Im Rahmen der Projektarbeit wurden mehrere Vorträge im Rahmen von Konferenzen in Kanada, Österreich, Polen und Deutschland gehalten bzw. folgt ein weiterer Vortrag im Jänner 2023 in London (Birkbeck College, London University).

Es wurden zwei Peer-Reviewed-Artikel in englischer Sprache („Traveling knowledge: Refugees from Nazism and their Impact on Art Music and Musicology in post-1945 Canada“ und „Forced to flee and deemed suspect: Tracing life stories of interned refugees in Canada during and after the Second World War”) für Anthologien verfasst, die bei Routledge bzw. im Transcript Verlag erscheinen.

Ein weiterer Beitrag wird in dem von Gabriele Anderl herausgegebenen Sammelband „Hinter verschlossenen Toren – die Internierung von Geflüchteten von den 1930er Jahren bis in die Gegenwart“ veröffentlicht (Theodor Kramer Verlag Wien).

Projektteam: Andrea Strutz (Leitung), Michaela Tasotti und Thomas Schreiber.
Fördergeber: Zukunftsfonds der Republik Österreich, P19‐3632 und  Land Niederösterreich

Project: “Flight, Deportation, Internment: Tracing Austrian Refugees from Nazism in Canada”

The research aims to shed light on those refugees from Nazism who had to flee from Austria to Britain, were deported to Canada and detained there in internment camps. The data collected in Canadian, British, and Austrian archives should provide a basis for identifying these Austrians and will serve as a basis for further biographical and collective biographical research, e.g. to determine the geographic and social origin of the so called “interned refugees”, their age structure and vocational training or their subsequent lives in Canada or elsewhere.

During research, 663 Austrians have so far been identified among the refugees deported to Canada. 343 men returned to Great Britain during the Second World War; after the unlawful deportation of refugees to Canada had become known to the British Parliament and the public and had been strongly criticized, the British government had granted a possibility of a return after an individual case examination. Another seven Austrians were released to third countries (e.g. Cuba, Argentina) and 313 Austrian men remained in Canada. They were released from Canadian internment in a process that lasted about two years, until the end of 1943. A large number of them remained in Canada and built a new life there. A smaller number of them later moved on (mainly to the United States of America); reasons were education, job offers or the desire to be able to live together again with surviving relatives.

As part of the project work, several presentations were given at conferences in Canada, Austria, Poland and Germany, and another presentation will follow in January 2023 in London (Birkbeck College, London University). Two peer-reviewed articles in English („Traveling knowledge: Refugees from Nazism and their Impact on Art Music and Musicology in post-1945 Canada“ and „Forced to flee and deemed suspect: Tracing life stories of interned refugees in Canada during and after the Second World War“) have been written for anthologies published by Routledge and Transcript, respectively. A further contribution will be published in the anthology “Hinter verschlossenen Toren – die Internierung von Geflüchteten von den 1930er Jahren bis in Gegenwart“ edited by Gabriele Anderl (Theodor Kramer Verlag Vienna).

Project team: Andrea Strutz (head), Michaela Tasotti and Thomas Schreiber.
The research is funded by the Future Fund of the Republic of Austria, P19‐3632 and the Federal Government of Lower Austria.

a. Historisches Quellenmaterial, Alex Dworkin Canadian Jewish Archives, Montreal; Foto: BIK/Strutz

Österreicher als Täter des NS-Regimes

Wie hoch war der Anteil von Österreichern an den nationalsozialistischen Tätern?

Jahrzehntelang bestimmte die „Opferthese“ Österreichs Position zum Nationalsozialismus. Man sah sich als erstes Opfer der Angriffspolitik Hitlers. In Opposition zu diesem zweifelhaften offiziösen Standpunkt entwickelte sich ab den späteren 1960er Jahren eine Art „Täterthese“, wonach Österreicher in überdurchschnittlichem Ausmaß an den Verbrechen des NS-Regimes beteiligt gewesen seien. Diese These geht auf ein 1966 verfasstes Memorandum des in der Öffentlichkeit als „Nazi-Jäger“ bekannten Simon Wiesenthal zurück. Er stellte darin u. a. fest, dass der Anteil der NS-Täter aus Österreich prozentual wesentlich höher liege als der Anteil der österreichischen Bevölkerung am Großdeutschen Reich.

Von Wiesenthal ausgehend, wurde und wird in der Literatur immer wieder kolportiert, Österreich habe einen weit über dem Bevölkerungsanteil der „Ostmark“ am Großdeutschen Reich liegenden Anteil an nationalsozialistischen Tätern gestellt. Allerdings geriet auch diese längere Zeit akzeptierte oder zumindest stillschweigend hingenommene „Täterthese“ ungefähr ab dem Jahr 2000 in die öffentliche Diskussion und wurde zunehmend angezweifelt.

Ziel des Projektes ist es, erstens den aktuellen Forschungsstand zu evaluieren, zweitens anhand der Sekundäranalyse von in Fachpublikationen zu findenden Auflistungen von NS-Tätern und drittens der Auswertung von originalen Quellenbeständen weitere Datenerhebungen und -auswertungen durchzuführen, um dadurch zur Klärung der strittigen Frage beizutragen.

Projektleitung: Barbara Stelzl-Marx
Projektmitarbeiter: Kurt Bauer
Projektlaufzeit: 2019-2022
Kooperationspartner: Institut für Geschichte der Universität Graz
Fördergeber: Zukunftsfonds der Republik Österreich (Projekt-Nr. P19-3671)

a. Ernst Kaltenbrunner, hochrangiger SS-Funktionär und von 1943 bis Kriegsende Chef der Sicherheitspolizei und des SD sowie Leiter des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA). 1946 im Zuge der Nürnberger Prozesse zum Tod verurteilt. Foto: E. Kienast (Hg.): Der Großdeutsche Reichstag 1938, IV. Wahlperiode, R. v. Decker´s Verlag, G. Schenck, Berlin 1938, gemeinfrei.

Mobile Dinge

Mobile Dinge, Menschen und Ideen. Eine bewegte Geschichte Niederösterreichs.

Mobilität verändert nicht nur Beschaffenheit und Ausse­hen von Dingen, sondern auch ihre Bedeutung, Zuschreibung und Bewertung durch ihre Benüt­zer/innen und Betrachter/innen. Forschungsinteresse ist deshalb nicht nur die Mobilität von Dingen, sondern auch die Mobilität, wie sie an Dingen sichtbar wird.

Das BIK war mit Dieter Bacher über seine Außenstelle in Raabs an der Thaya an den Forschungen des Teilprojektes „(Nicht) im Gepäck? Über mitgebrachte, zurückgelassene und neu erworbene Dinge des Hausrats im Kontext von Flucht und Vertreibung (1945/2015)“ beteiligt. Für gewöhnlich sind die alltäglichen Dinge, mit denen wir uns umgeben, kaum hinterfragter Bestandteil unseres Lebens. Flucht und Vertreibung stellen jedoch Ereignisse dar, die die Selbstverständlichkeit unserer Mensch-Ding-Beziehungen ins Wanken bringen. Das bis Jänner 2022 fertig gestellte Projekt untersuchte, welche Bedeutung mitgebrachte, zurückgelassene und neu erworbene Dinge des Hausrats für Flüchtlinge und Vertriebene in der Nachkriegszeit hatten und auch heute haben. Es wurden zwei zeitlich auseinanderliegende Fluchtbewegungen analysiert: Flucht und Vertreibung der deutsch-sprachigen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg und aktuelle Fluchtbewegungen rund um das Jahr 2015. Die besondere (symbolische bzw. identitätsstiftende) Dingbedeutung im Rahmen von Flucht und Vertreibung wurde dabei ebenso untersucht wie die konkrete Verwendung von Dingen im Alltag. Wie wurden bzw. werden Dinge eingesetzt, um das alltägliche Leben neu zu gestalten, sich zu positionieren aber auch um aktiv Beheimatung, (materielle) Kontinuität und soziale Einbindung herzustellen? Darüber hinaus interessierte der Wandel bzw. die Konstanz von Dingbedeutungen und Verwendungspraktiken von Objekten im Zeitvergleich 1945/55 und heute. Zu beiden Fluchtbewegungen gibt es in den niederösterreichischen Sammlungen relevante Bestände bzw. Objekte. Methodisch wurde für die Analyse der Dingbedeutsamkeit im Rahmen von Flucht und Vertreibung ein biographischer Zugang gewählt.

Hier geht es zum Endbericht des Projekts!

Presseberichte zum Projekt:
Bericht in der Print- und Online-Ausgabe des „Kurier“ vom 26.4.2020

Zur Projekthomepage
a. Mobile Dinge

Neue Forschungen zum NS-Massaker in Rechnitz

Seit Jahrzehnten wird vergeblich nach der Grablage der Opfer des Massakers von Rechnitz gesucht. Grabungen an den verschiedenen Verdachtsstellen verliefen bislang ergebnislos. Ein Oral-History-Projekt soll bei der Spurensuche helfen.

Als im Frühjahr 1945 die Rote Armee an der Südostgrenze des Deutschen Reiches näher rückte, wurde vom Oberkommando der Wehrmacht der Bau des sogenannten „Südostwalls“ veranlasst. Neben der ortsansässigen Bevölkerung und „Ostarbeitern“ waren es vor allem ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter, die für den Bau der Verteidigungsstellung eingesetzt wurden. Widrigste Bedingungen und unmenschliche Behandlung standen an der Tagesordnung: mindestens 30.000 ArbeiterInnen kamen durch Seuchen, Erschöpfung, Unterernährung oder Erschießungen ums Leben.

Im Zuge des Südostwall-Baus ereignete sich in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1945 im burgenländischen Ort Rechnitz eines der größten Endphaseverbrechen in Österreich. Während der Großteil der jüdischen Zwangsarbeiter mit der Eisenbahn zum nächsten Arbeitseinsatz weitertransportiert wurde, wurden die rund 200 schwächsten von ihnen zurück nach Rechnitz gebracht. Am Abend desselben Tages wurde im Schloss Batthyány (Schloss Rechnitz) ein Fest gefeiert, bei dem hochrangige NS-Funktionäre vertreten waren. Teilnehmer des Festes waren in dieser Nacht bei der Erschießung der zum Weitertransport unfähigen jüdischen Zwangsarbeiter beteiligt. Die rund 200 Leichen wurden in einem Acker verscharrt – wo genau, weiß man bis heute nicht.

Das Oral History-Projekt zum Massaker in Rechnitz wird durch Förderung des österreichischen Bundesdenkmalamts vom Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung durchgeführt (Projektleitung: Barbara Stelzl-Marx, Projektmitarbeiter: Eva-Maria Streit und Kornel Trojan). Das Projekt hat zum Ziel, durch Interviews mit Zeitzeugen die Situation rund um die ungarisch-jüdischen Zwangsarbeiter und um das Massaker von Rechnitz näher zu beleuchten und zu dokumentieren. Ein besonderer Fokus wird darauf gelegt, neue Hinweise betreffend der Lokalisation des Grabes zu erhalten. Seit Jahrzehnten bemühen sich Politik und Privatinitiativen darum, endlich Licht ins Dunkel dieses Geheimnisses zu bringen und die ermordeten Juden in eine angemessene Ruhestätte überführen zu können.

Beitrag auf burgenland.orf.at vom 7.5.2021

Online-Artikel der Tageszeitung „Kurier“

Endbericht zum Massaker von Rechnitz

Polnische Zwangsmigration 1943-1946. Oral History-Interviews mit Zwangsumgesiedelten aus dem Raum Ternopil

Bei diesem vom Zukunftsfonds der Republik Österreich geförderten Projekt wurden Oral History Interviews mit polnischen Zwangsmigrierten durchgeführt, um deren alltägliche Lebenswelt(en), Erfahrungen, Mentalitäten, Einstellungen, Interpretationen und Handlungen zu erheben und zu analysieren. Die Interviews wurden transkribiert, übersetzt, in einen breiteren historischen Kontext gestellt und werden nach abgeschlossener Aufbereitung über diese Webadresse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden

Im Rahmen des Zweiten Weltkrieges kam es zu zahlreichen, oft erzwungenen, Migrationsbewegungen. So mussten zwischen 1943 und 1946 auch viele Menschen in Ostpolen ihre Heimat verlassen und ließen sich z.B. aus dem heutigen Oblast Ternopil vermehrt in der Nähe von Wrocław (Breslau) nieder. Das Projekt ging den individuellen (Erinnerungs-) Perspektiven der letzten lebenden Zwangsumgesiedelten aus dem Oblast Ternopil nach und lässt die Zeitzeugen über diese Website erstmals selbst zur Thematik rund um ihre Vertreibung und Ankunft in einer neuen Heimat zu Wort kommen. Das Projekt versteht sich als Erschließungs-, Forschungs- und insbesondere Vermittlungsprojekt. Es verfolgte dabei die Rekonstruktion und Analyse der alltäglichen Lebenswelt, Erfahrungen, Mentalitäten, Einstellungen, Interpretationen und Handlungen von polnischen Zwangsmigrierten auf Basis von Oral History Interviews. Diese wurden mit den letzten lebenden Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus dem Raum Ternopil durchgeführt, wissenschaftlich analysiert, übersetzt und in einen breiteren historischen Kontext gestellt. Die Forschungsinterviews werden zu Videosequenzen geschnitten, katalogisiert und mit entsprechenden Themen bzw. Schlagworten verknüpft. Ergänzend dazu werden die Sequenzen durch Textpassagen und Graphiken kontextualisiert.

Die Arbeiten am Forschungsprojekt wurden planmäßig im März 2021 aufgenommen. Kornel Trojan verbrachte mehrere Forschungsaufenthalte in Wrocłav/Breslau, um die ZeitzeugInnengespräche durchzuführen. Es wurden acht Zeitzeuginnen und Zeitzeugen ausfindig gemacht, die im Zeitraum 1943-46 aus dem Raum Ternopil nach Breslau zwangsmigriert waren. Unter pandemiebedingt etwas schwierigen Umständen wurden insgesamt sieben Oral History Interviews durchgeführt. Die aus diesen Quellen gewonnenen Informationen wurden in der Folge transkribiert, übersetzt und zur Analyse aufbereitet.

Weiters führte Kornel Trojan Recherchearbeiten im Ossolineum Wrocław, dem Deutschen Polen-Institut und dem Ośrodek „Pamięć i Przyszłość“ in Wrocław zu polnischen Zwangsmigranten durch und fertigte Scans vieler themenrelevanter Dokumente an. Die aus diesen Unterlagen gewonnenen Informationen wurden in der Folge zur Analyse aufbereitet.

Zwei auf den Forschungsergebnissen des Projekts basierende wissenschaftliche Artikel (in Arbeit) werden in polnischer und deutscher Sprache in der Publikation „Perspectives on the 20th Century“ des Pilecki-Instituts Berlin, sowie in polnischer und englischer Sprache in der Zeitschrift Wrocławski Rocznik Historii Mówionej des Ośrodek „Pamięć i Przyszłość“ (the „Remembrance and Future“ Centre) veröffentlicht. Im Rahmen des Forschungsprojekts wurden mehrere Vorträge zu den Projektergebnissen in Polen und Deutschland abgehalten.

Fördergeber: Zukunftsfonds der Republik Österreich, Projektnummer P21-4222

100 Jahre Schloss St. Martin

Ziel des Projektes ist die Erforschung und Aufarbeitung der wechselvollen Geschichte des im Westen von Graz gelegenen Schlosses St. Martin, das als bedeutendstes Volksbildungshaus der Steiermark 2019 sein 100. Jubiläum feiert. Schwerpunkt liegt dabei auf der bis heute in der Forschung weitgehend ausgesparten Phase von 1938 bis 1945.

Im 11. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, prägte St. Martin als Wirtschaftsschloss des Stiftes Admont lange Zeit die Weinbau- und Landwirtschaftsgeschichte im Grazer Raum. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Schloss zum Zentrum der steirischen Volksbildungsbewegung, die jedoch vom NS-Regime unterbrochen und umfunktionalisiert wurde: Ab 1941 nutzte die NSDAP das Schloss unter dem Namen „Gauschulungsburg Martinshof“ für Parteiveranstaltungen und Parteischulungen. 1943 wurde unter St. Martin ein unterirdischer Bunker errichtet, der u. a. dem Gauleiter als Luftschutzkeller und Geheime Befehlszentrale gedient haben soll. Auch gibt es Hinweise, dass die Deutsche Wehrmacht das Schloss als Reichsverwaltungsgebäude nutzte. Trotz eines dunklen Tarnanstriches zerstörten ab März 1944 insgesamt fünf US-Bombenangriffe den Nordwesttrakt zur Gänze. Nach 1945 folgte eine Wiederaufnahme der Bildungsarbeit in geistlicher Tradition, die im Zuge der modernen Neuausrichtung 2011 erstmalig durchbrochen wurde.

Die Ergebnisse des Forschungsprojektes werden unter anderem über eine Monographie, die zum 100. Jubiläum 2019 erscheinen wird, publiziert. Gefördert wird das Projekt durch das Land Steiermark, das Bildungshaus St. Martin, die Historische Landeskommission für Steiermark und den Zukunftsfonds der Republik Österreich, der die Aufarbeitung des Forschungsdesiderats „Gauschulungsburg Martinshof – Das steirische Volksbildungshaus Schloss St. Martin in der NS-Zeit“ unterstützt. Die Projektleitung hat PD Dr. Barbara Stelzl-Marx inne, Projektmitarbeiterin ist Dr. Katharina Bergmann-Pfleger.

Online-Berichte zu diesem Projekt (Auswahl):

Blogeintrag auf der Website der Historischen Landeskommission für Steiermark (HLK)

a. Das im Westen von Graz gelegenen Schloss St. Martin.

Buchprojekt „Migration“

Migration ist im öffentlichen Diskurs allgegenwärtig. Wie kaum ein anderes Thema berühren es und die nachfolgenden Fragen der Integration von Migranten die Grundwerte unserer Zivilisation, greifen tief in persönliche Lebensumstände der Menschen ein, ja spalten Gesellschaften.

Verunsicherung und Ängste können meist nur diffus artikuliert werden, sind aber latent vorhanden. Die europäische Politik reagiert darauf, wenn auch verzögert, unterschiedlich: Mit Grenzsperren, Quotenregelungen, Ausweisungen, Abschiebungen, dem Aufbau von Sammelzentren in Nordafrika oder der Unterstützung von Transitstaaten wie der Türkei. Auch Gesellschaft und Politik in Österreich sind gefragt. Täglich. Bedingt kann dabei auf Erfahrungen nach den Konflikten seit 1945 in Europa zurückgegriffen werden: Ungarn, Tschechoslowakei, Polen, Jugoslawien. Das Buch analysiert wesentliche Aspekte der Thematik sowohl im historischen als auch aktuellen Diskurs.

Zur Publikation: Migration. Flucht – Vertreibung – Integration

Children Born of War – Past Present Future

„Children Born of War“ bezeichnet Kinder, die – unabhängig von Zeitpunkt der Geburt und geopolitischem Kontext – in Folge sexueller Kontakte zwischen einheimischen Frauen und fremden Soldaten in Konflikt- und Postkonfliktsituationen zur Welt kommen.

Der Zeugungshintergrund der Kinder umfasst einvernehmliche sexuelle Kontakte, wie Liebesbeziehungen, die in eine Heirat münden, Affären bis hin zu „Versorgungspartnerschaften“ und „(Überlebens-)Prostitution“, aber auch sexuelle Ausbeutung sowie Vergewaltigungen. Das von der Europäischen Union geförderte Horizon2020 Marie Skłodowska-Curie Actions Innovative Training Network „Children Born of War – Past Present Future” untersuchte zwischen 2015 und 2019 die Erfahrungen von „Children Born of War“ in verschiedenen Konflikt- und Postkonfliktsituationen des 20. Jahrhunderts. Es erforschte, ob und wie sich Militärbehörden und Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen an der Integration dieser Kinder – und deren Mütter – in den jeweiligen Gesellschaften beteiligten. Gleichzeitig wurden Faktoren aufgezeigt, welche die psychosoziale Entwicklung der Kinder, die Erinnerung an den Krieg im Allgemeinen, aber auch gesellschaftliche Normen und Vorstellungen beeinflussten.

Barbara Stelzl-Marx ist „Director of Research“ des CHIBOW-Netzwerkes. Am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung verfasste Lukas Schretter im Rahmen des Netzwerkes seine Dissertation „Britische Besatzungskinder. Die Nachkommen britischer Soldaten und österreichischer Frauen nach dem Zweiten Weltkrieg“ im Rahmen des Netzwerkes. Neben dem Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung sind unter anderem die Universität Leipzig, die Universität Augsburg, die Universität Katowice, die Universität Lettland und das Psychotraumacentrum Zuid Nederland Mitglieder des Netzwerkes. Die Koordination des CHIBOW-Netzwerkes obliegt der Universität Birmingham.

Ein Sammelband, der die Ergebnisse des CHIBOW-Forschungsnetzwerkes beinhaltet, ist bei Routledge erscheinen. Dieses Buch wurde von der einflussreichen Zeitschrift CHOICE im August 2022 als „recommended“ eingestuft.

Children Born of War (CHIBOW)

Lager V – Liebenau

Das GrazMuseum wird ab November 2018 eine Ausstellung „Lager V Liebenau – Ort der verdichteten Geschichte“ zum Lager Graz-Liebenau, jenem Lager, das seit Jahren im Fokus der Erinnerungskultur steht, beherbergen. Das größte NS-Zwangsarbeiterlager auf Grazer Stadtgebiet diente im April 1945 als Zwischenstation der Evakuierungsmärsche ungarischer Juden vom „Südostwall“ in Richtung KZ Mauthausen. Die vom Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung unter der Leitung von Barbara Stelzl-Marx konzipierte Ausstellung wird die Geschichte des Lagers während der NS-Zeit beleuchten, aber auch auf die Aufarbeitung bzw. das Vergessen nach 1945 und den aktuellen Umgang mit diesem sensiblen Areal eingehen.

Am 6. April 2018 findet um 19:30:00 Uhr in der Pfarre Graz-Süd, Anton-Lippe-Platz 1, ein Gedenkkonzert statt. Zuvor besteht die Möglichkeit, das ehemalige Lagerareal zu besichtigen.

Nähere Informationen sind der Website „gedenken-liebenau“ zu entnehmen.

Website „gedenken-liebenau“
a. Lager V Liebenau – Ort der verdichteten Geschichte

MenschenLeben: Eine Sammlung lebensgeschichtlicher Erzählungen

Seit 2009 berichteten über 1.600 Frauen und Männer – vom jungen Erwachsenen bis zum betagten Menschen – in mehrstündigen Gesprächen über ihr Leben. MenschenLeben ist ein Oral History Projekt, das thematisch offen ist und keinem vorgegebenen Fragenkatalog folgt. Die Gesprächspartnerinnen und –partner bekommen Zeit und Raum, ihre Lebensgeschichte frei zu erzählen. Anschließend wird vertiefend nachgefragt und zur Reflexion angeregt. Auf diese Weise entsteht eine Sammlung, die einzigartige Quellen für Forschungen aller Art bietet.

Seit dem Start dieses Oral History-Projektes an der Österreichischen Mediathek am Technischen Museum Wien wurden österreichweit über 1.620 Interviews durchgeführt. Davon wurden über 400 Interviews im Rahmen eines Kooperationsprojekts mit der Österreichischen Mediathek am LBI für Kriegsfolgenforschung durchgeführt und bearbeitet. Für die Zugänglichmachung der Sammlung MenschenLeben werden die Interviews entsprechend aufbereitet, um sie in das Datenbanksystem der Österreichischen Mediathek am Technischen Museum Wien einspeisen zu können.

Im Jahr 2018 wurde zudem eine Onlineausstellung „100 Jahre ‒ 100 Töne“ im Rahmen des Gedenkens „100 Jahre Republik Österreich“ erarbeitet. Die Web-Ausstellung  setzt sich aus zentralen Erinnerungen in den Interviews zur Geschichte der Republik zusammen. Die Passagen bieten Einsicht in ganz unterschiedliche persönliche Erfahrungen und Geschichten von Menschen in Österreich seit 1918 und spiegeln ein Spektrum vielfältiger Erinnerungen an das 20. Jahrhundert und das frühe 21. Jahrhundert wider. So werden darin etwa – passend zur Programmlinie Zwangsmigration – „[d]ie Aufnahme von Flüchtlingen in Folge des Jugoslawienkrieges […] durch die Schilderungen einer Sozialarbeiterin in Erinnerung gerufen.“

Projektleitung des BIK-Teilprojekts: Andrea Strutz; Projektmitarbeiter: Daniel Pregartner

Zur Homepage MenschenLeben
a. Lilly S. bei ihrem Interview im Juli 2021, Foto: Österreichische Mediathek/MenschenLeben/Pregartner

Ausstellung „15. JULI 27“

Der Justizpalastbrand vom 15. Juli 1927 stellt zweifellos eine wichtige Wegmarke in der Geschichte der Ersten Republik dar, aus der eine latent bürgerkriegsartige Situation in Österreich resultierte. Er stellte  einen ersten Höhepunkt jener gesellschaftlichen Spaltung dar, die im Bürgerkrieg 1934 ihren Höhepunkt fand. 90 Jahre nach den so genannten Juliunruhen initiierte das Bundesministerium für Inneres eine Ausstellung, die sich kritisch mit den Ereignissen auseinandersetzt.

Im Zentrum steht eine didaktische Vermittlung der komplexen Krisensituation, an deren Ende 89 Tote und mehrere hundert Schwerverletzte standen. Die Ausstellung ist von 31. August 2017 bis 4. Februar 2018 im Innenministerium, Herrengasse 7, 1010 Wien, öffentlich zugänglich. Sie veranschaulicht auf einer Fläche von ca. 120 Quadratmetern mittels reichlich Objekten, Foto- und Filmmaterial die Ursachen, die Ereignisse des 15. und 16. Juli 1927 sowie die Folgen auf. Die Gesamtumsetzung der Ausstellung oblag dem BIK unter Leitung von Prof. Stefan Karner und unter Beteiligung von Dr. Bernhard Bachinger, Dr. Julia Köstenberger und Dr. Katharina Bergmann-Pfleger.

a. Ausstellungseröffnung

„Haus der Geschichte“ im Museum NÖ

Am 9. September 2017 wurde in St. Pölten feierlich das Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich eröffnet.

Von Juli 2014 bis September 2017 zeichnete das Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-Forschung (BIK) für die wissenschaftlich-inhaltliche Gestaltung des „Hauses der Geschichte im Museum Niederösterreich“ (HGNÖ) verantwortlich. Das BIK organisierte die Arbeit des unter der Leitung von Stefan Karner stehenden rund 90-köpfigen internationalen wissenschaftlichen Fachbeirates, andererseits beteiligt es sich in Kooperation mit dem Amt der Niederösterreichischen Landesregierung aktiv an der konkreten Umsetzung des wissenschaftlichen Konzeptes. Letzteres wurde nach intensiver eineinhalbjähriger Arbeit im November 2015 vom wissenschaftlichen Fachbeirat in Form einer Publikation vorgelegt.

Seit 2014 arbeitete das BIK als Teil eines Umsetzungsteams an der Realisierung einer Dauerausstellung und einer Schwerpunktausstellung, die sich ganz dem Fokus des Hauses folgend einem zentralen zeitgeschichtlichen Thema widmet: der Ersten Republik. Die Umsetzungsgruppe bestehend aus HistorikerInnen, MuseologInnen und KulturvermittlerInnen, aus den Grafikern und Architekten, wird angeführt von Stefan Karner und seinem Stellvertreter Wolfgang Maderthaner, Generaldirektor des österreichischen Staatsarchivs.

Weitere Informationen finden Sie hier.

Weitere Informationen zur Ausstellung können auch diesem Interview mit Stefan Karner entnommen werden.

Pressemeldungen (Auswahl):

  1. Bericht der „Niederösterreichischen Nachrichten“, 12. September 2017
  2. Bericht im Kulturteil der „Niederösterreichischen Nachrichten“, 12. September 2017
  3. Bericht in den ORF-„Seitenblicken“ (ORF-TVthek), 11. September 2017 (nicht mehr verfügbar)
  4. Bericht auf noe.orf.at, 10. September 2017
  5. Bericht auf orf.at, 10. September 2017
  6. Bericht auf Ökonews.at, 10. September 2017
  7. Bericht im Online-Reiseführer „askEnrico“, 10. September 2017
  8. Bericht der „Niederösterreichischen Nachrichten“, 9. September 2017
  9. Bericht in der Online-Ausgabe des „Standard“, 9. September 2017
  10. Bericht in den „Salzburger Nachrichten“, 9. September 2017
  11. APA/OTS Aussendung zur Eröffnung des Hauses der Geschichte, 9. September 2017
  12. Bericht in der „Kleinen Zeitung“, 8. September 2017
  13. Kommentar in der „Kleinen Zeitung“, 8. September 2017
  14. Bericht in der „Kleinen Zeitung“, 7. September 2017
  15. APA Science-Aussendung zum Haus der Geschichte, 7. September 2017
  16. Kommentar in der Online-Ausgabe des „Standard“, 5. September 2017
  17. Bericht im „Kurier“, 5. September 2017
  18. Beitrag im „Kulturmontag“ des ORF vom 4. September 2017 (nicht mehr verfügbar)
  19. Beitrag im „Österreich-Bild“ des ORF vom 3. September 2017 (nicht mehr verfügbar)
a. Das Haus der Geschichte im Museum Niederösterreich.

Erfassung der Interviews zu den Dokumentationen Österreich I und II

Mit „Österreich I“ und „Österreich II“, den erfolgreichen Dokumentationsreihen von Hugo Portisch, wurde seit Anfang der 1980er Jahre Fernsehgeschichte geschrieben. Die historische Aufarbeitung der Ersten und Zweiten Republik erhielt dadurch wesentliche Impulse.

Im Zuge der Aktualisierung dieses beachtlichen audiovisuellen Werkes geriet zuletzt bislang unverwendetes, nicht gesendetes Material in den Fokus der Betrachtung. Mehrere Institutionen versuchen nun gemeinsam mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung, dem Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien und dem ORF-Archiv, die rund 1000 Zeitzeugeninterviews zu erfassen. Eine Datenbank mit genauen inhaltlichen Angaben soll einer breiteren Öffentlichkeit, Forschern und Studierenden zugänglich gemacht werden.

a. Hugo Portisch schrieb mit „Österreich I“ und „Österreich II“ Fernsehgeschichte.

Österreichische Kriegsgefangene in Moldawien

Das von Seiten der Grazer Wechselseitigen Versicherung (GRAWE) unterstützte Projekt hat zum Ziel, das Schicksal von österreichischen Kriegsgefangenen in Lagern des GUPVI auf dem Gebiet des heutigen Moldawien aufzuarbeiten und die dazu vorhandenen Dokumentationen auszuheben und zu analysieren.

Zwischen 1941 und 1945 gerieten an der Ostfront gegen die Sowjetunion rund 130.000 Österreicher, die in der Deutschen Wehrmacht Militärdienst versahen, in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Nach der Gefangennahme und teilweise wochenlangen Aufenthalten in Aufnahme- und Sammelpunkten hinter der sowjetischen Frontlinie wurden sie per Bahntransport in die einzelnen Lager der „Hauptverwaltung für Kriegsgefangene und Internierte“ (russ. „Glavnoe upravlenie voennoplennych i internirovannych“, GUPVI) verbracht. Ab 1947 wurden viele von ihnen, u. a. unter Anwendung des „Ukaz 43“ wegen angeblicher Beteiligung an Kriegsverbrechen in der Sowjetunion ebenfalls zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt und von den Lagern des GUPVI in Gefängnisse und GULAG-Lager überstellt.

Das zweite Lagersystem des NKVD/MVD, die „Hauptverwaltung der Lager“ („Glavnoe upravlenie lagerej“, GULAG), existierte seit den frühen 1920er-Jahren und ab 1941 parallel zum GUPVI. Es umfasste ebenfalls tausende Arbeitslager, in denen, im Gegensatz zum GUPVI, verurteilte Personen inhaftiert und zur Arbeit herangezogen wurden. Zwischen 1930 und 1953 waren mindestens 18 Millionen Menschen im Lagersystem des GULAG des NVKD inhaftiert, darunter zahlreiche Österreicher. Die letzten von ihnen kehrten erst Anfang 1956 aus ihrer Gefangenschaft zurück.

Diese beiden Lagersysteme und die bislang bekannten Informationen zu den dort untergebrachten/inhaftierten Österreichern am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung (BIK) sind methodisch der Ausgangspunkt für die wissenschaftliche Aufarbeitung der österreichischen Kriegsgefangenen auf dem Gebiet des heutigen Moldawien.

a. Zwischen 1941 und 1945 gerieten an der Ostfront gegen die Sowjetunion rund 130.000 Österreicher, die in der Deutschen Wehrmacht Militärdienst versahen, in sowjetische Kriegsgefangenschaft.

Kärntner Kriegsgefangene in Kasachstan

Das vorliegende vom Land Kärnten geförderte Projekt hat zum Ziel, das Schicksal von Kärntnern in Kriegsgefangenenlagern des GUPVI auf dem Gebiet des heutigen Kasachstan aufzuarbeiten und die dazu vorhandenen Dokumentationen auszuheben und zu analysieren.

Die Sowjetunion und ihr stalinistisches Justizsystem wirkten sich nicht nur für sowjetische Staatsangehörige, sondern auch für zahlreiche Österreicher gravierend aus. Die ersten österreichischen Opfer dieses Systems waren ehemalige Mitglieder der kommunistischen und der sozialdemokratischen Partei, die im Zuge der 1920er- und 1930er-Jahre in die Sowjetunion emigrierten. Viele von ihnen wurden Opfer der stalinistischen „Säuberungen“ in den 1930er-Jahren.

Hinzu kam, dass zwischen 1945 und 1955 etwa 2.200 österreichische Zivilisten von sowjetischen Organen festgenommen wurden; mehr als eintausend von Militärtribunalen wegen Kriegs-, Staats- und Alltagsverbrechen zu meist hohen Haftstrafen verurteilt. Über 150 von ihnen wurden, meist wegen „Spionage gegen die Sowjetunion“, zum Tode verurteilt und hingerichtet. Für die österreichische Bevölkerung und Öffentlichkeit blieben die Gründe für eine Verhaftung und das weitere Schicksal dieser „Verschleppten“ damals weitestgehend im Dunkeln.

Die dritte zu berücksichtigende Gruppe waren die verurteilten Kriegsgefangenen. Zwischen 1941 und 1945 gerieten an der Ostfront gegen die Sowjetunion rund 130.000 Österreicher, die in der Deutschen Wehrmacht Militärdienst versahen, in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Nach der Gefangennahme und teilweise wochenlangen Aufenthalten in Aufnahme- und Sammelpunkten hinter der sowjetischen Frontlinie wurden sie per Bahntransport in die einzelnen Lager der „Hauptverwaltung für Kriegsgefangene und Internierte“ (russ. „Glavnoe upravlenie voennoplennych i internirovannych“, GUPVI) verbracht. Ab 1947 wurden viele von ihnen, u. a. unter Anwendung des „Ukaz 43“ wegen angeblicher Beteiligung an Kriegsverbrechen in der Sowjetunion ebenfalls zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt und von den Lagern des GUPVI in Gefängnisse und GULAG-Lager überstellt.

Das zweite Lagersystem des NKVD/MVD, die „Hauptverwaltung der Lager“ („Glavnoe upravlenie lagerej“, GULAG), existierte seit den frühen 1920er-Jahren und ab 1941 parallel zum GUPVI. Es umfasste ebenfalls tausende Arbeitslager, in denen, im Gegensatz zum GUPVI, verurteilte Personen inhaftiert und zur Arbeit herangezogen wurden. Zwischen 1930 und 1953 waren mindestens 18 Millionen Menschen im Lagersystem des GULAG des NVKD inhaftiert, darunter zahlreiche Österreicher. Die letzten von ihnen kehrten erst Anfang 1956 aus ihrer Gefangenschaft zurück.

Diese beiden Lagersysteme und die bislang bekannten Informationen zu den dort untergebrachten/inhaftierten Österreichern am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung (BIK) sind methodisch der Ausgangspunkt für die wissenschaftliche Aufarbeitung der österreichischen Stalinismus-Opfer. Die Lager beider sowjetischen Lagersysteme waren auf die gesamte Sowjetunion verteilt. Ein paar von ihnen befanden sich auch auf den Territorien des heutigen Kasachstan, Usbekistan und Kirgisistan.

a. Die sowjetischen Lagersysteme betrieben Lager in der gesamten Sowjetunion. Ein paar von ihnen befanden sich auch auf den Territorien des heutigen Kasachstan, Usbekistan und Kirgisistan.

Österreichische Stalinopfer in Zentralasien 1941-1956

Das vorliegende Projekt hat zum Ziel, das Schicksal von von sowjetischer Seite verurteilten Österreichern in Lagern auf dem Gebiet des heutigen Kasachstan, Usbekistan und Kirgisistan aufzuarbeiten und die dazu vorhandenen Dokumentationen auszuheben und zu analysieren.

Die Sowjetunion und ihr stalinistisches Justizsystem wirkten sich nicht nur für sowjetische Staatsangehörige, sondern auch für zahlreiche Österreicher gravierend aus. Die ersten österreichischen Opfer dieses Systems waren ehemalige Mitglieder der kommunistischen und der sozialdemokratischen Partei, die im Zuge der 1920er- und 1930er-Jahre in die Sowjetunion emigrierten. Viele von ihnen wurden Opfer der stalinistischen „Säuberungen“ in den 1930er-Jahren.

Hinzu kam, dass zwischen 1945 und 1955 etwa 2.200 österreichische Zivilisten von sowjetischen Organen festgenommen wurden; mehr als eintausend von Militärtribunalen wegen Kriegs-, Staats- und Alltagsverbrechen zu meist hohen Haftstrafen verurteilt. Über 150 von ihnen wurden, meist wegen „Spionage gegen die Sowjetunion“, zum Tode verurteilt und hingerichtet. Für die österreichische Bevölkerung und Öffentlichkeit blieben die Gründe für eine Verhaftung und das weitere Schicksal dieser „Verschleppten“ damals weitestgehend im Dunkeln.

Die dritte zu berücksichtigende Gruppe waren die verurteilten Kriegsgefangenen. Zwischen 1941 und 1945 gerieten an der Ostfront gegen die Sowjetunion rund 130.000 Österreicher, die in der Deutschen Wehrmacht Militärdienst versahen, in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Nach der Gefangennahme und teilweise wochenlangen Aufenthalten in Aufnahme- und Sammelpunkten hinter der sowjetischen Frontlinie wurden sie per Bahntransport in die einzelnen Lager der „Hauptverwaltung für Kriegsgefangene und Internierte“ (russ. „Glavnoe upravlenie voennoplennych i internirovannych“, GUPVI) verbracht. Ab 1947 wurden viele von ihnen, u. a. unter Anwendung des „Ukaz 43“ wegen angeblicher Beteiligung an Kriegsverbrechen in der Sowjetunion ebenfalls zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt und von den Lagern des GUPVI in Gefängnisse und GULAG-Lager überstellt.

Das zweite Lagersystem des NKVD/MVD, die „Hauptverwaltung der Lager“ („Glavnoe upravlenie lagerej“, GULAG), existierte seit den frühen 1920er-Jahren und ab 1941 parallel zum GUPVI. Es umfasste ebenfalls tausende Arbeitslager, in denen, im Gegensatz zum GUPVI, verurteilte Personen inhaftiert und zur Arbeit herangezogen wurden. Zwischen 1930 und 1953 waren mindestens 18 Millionen Menschen im Lagersystem des GULAG des NVKD inhaftiert, darunter zahlreiche Österreicher. Die letzten von ihnen kehrten erst Anfang 1956 aus ihrer Gefangenschaft zurück.

Diese beiden Lagersysteme und die bislang bekannten Informationen zu den dort untergebrachten/inhaftierten Österreichern am Ludwig Boltzmann Institut für Kriegsfolgenforschung (BIK) sind methodisch der Ausgangspunkt für die wissenschaftliche Aufarbeitung der österreichischen Stalinismus-Opfer. Die Lager beider sowjetischen Lagersysteme waren auf die gesamte Sowjetunion verteilt. Ein paar von ihnen befanden sich auch auf den Territorien des heutigen Kasachstan, Usbekistan und Kirgisistan.

a. Die Sowjetunion und ihr stalinistisches Justizsystem wirkten sich nicht nur für sowjetische Staatsangehörige, sondern auch für zahlreiche Österreicher gravierend aus.

Schweres Erbe und Wiedergutmachung

Das Projekt thematisiert die Bemühungen der Regierung Schüssel zur „Entschädigung“ von NS-Opfern: Genese und Einrichtung des Versöhnungsfonds und des Allgemeinen Entschädigungsfonds. Auf der Basis neu zugänglicher Aktenbestände bettet eine Studie die Ereignisse und Maßnahmen in eine zeitlich wie auch geographisch breiteren Kontext ein.

Thematisiert wurden Entschädigung und Restitution in Österreich seit 1945, „Wiedergutmachung“ in Deutschland und der Schweiz sowie die Rezeption der Restitutions- und Entschädigungsmaßnahmen der Schüssel-Regierung im In- und Ausland. Als institutionelle Säulen wurden Allgemeiner Entschädigungsfonds, Versöhnungsfonds und Zukunftsfonds behandelt. Auch ZeitzeugInnen, die aktiv an den Verhandlungen teilnahmen bzw. diesen aus nächster beiwohnten, waren in das Projekt eingebunden.

Die Projektergebnisse wurden 2015 in einem Sammelband publiziert.

a. Das Projekt thematisiert die Bemühungen der Regierung Schüssel zur „Entschädigung“ von NS-Opfern.

Besatzungskinder

Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen in ganz Österreich und Deutschland sogenannte Besatzungskinder auf die Welt: als Folge freiwilliger sexueller Beziehungen zwischen einheimischen Frauen und Besatzungsangehörigen, aber auch als Folge von Vergewaltigungen.

Sie galten als „Kinder des Feindes“, obwohl die Väter de jure keine Feinde mehr waren, und waren – gemeinsam mit ihren Müttern – meist unterschiedlichen Formen von Diskriminierung ausgesetzt. Im Rahmen des Projekts wird erstmals ein Überblick über die Situation der Besatzungskinder in den unterschiedlichen Besatzungszonen Österreichs, ihre Sozialisations- und Lebensbedingungen sowie ihre weiteren Biografien gegeben.

Die Rolle der österreichischen (Nachkriegs-) Gesellschaft wird dabei ebenso berücksichtigt wie jene der (ehemaligen) Besatzungsmächte. Diese akribische Spurensuche soll dieses vielfach bis heute tabuisierte Thema der Öffentlichkeit zugänglich machen und eine Lücke in der österreichischen Zeitgeschichteforschung schließen.

Im Oktober 2013 startete im Rahmen des Projektes in Kooperation mit der Universität Leipzig (PD Heide Glaesmer) eine Studie zum psychischen Befinden von Besatzungskindern in Deutschland und Österreich. Ziel dieser Studie ist, das aktuelle psychische Befinden der Betroffenen und ihre Erfahrungen als Besatzungskinder zu beschreiben. Formen der Identitätsentwicklung und Stigmatisierung sowie die psychosozialen Aspekte des Aufwachsens als Besatzungskind stehen dabei im Vordergrund. Dies soll dazu beitragen, Transparenz für das Thema in der Öffentlichkeit zu schaffen und die Situation von „Kindern des Krieges“ auch in aktuellen internationalen Krisengebieten zu verbessern. Bereits unmittelbar nach dem Start der Studie meldeten sich über hundert Betroffene, die mittels Fragebogen über ihre Erfahrungen als Besatzungskinder Auskunft geben.

Im Mai 2015 erschien der von Barbara Stelzl-Marx herausgegebene Sammelband „Besatzungskinder. Die Nachkommen alliierter Soldaten in Österreich und Deutschland“, der die ersten Ergebnisse dieser Forschungen zusammenfasst.

9. Mai 2017

Symbolische Anerkennung für sowjetische Besatzungskinder aus Österreich

Erstmals wurden mit Eleonore Dupuis und Hanni Fassler zwei „Befreiungskinder“ aus Österreich eingeladen, am „Marsch des Unsterblichen Regiments“ (Бессмертный полк) in Moskau teilzunehmen. Am 9. Mai 2017 versammelten sich 800.000 Menschen in Moskau, um die Erinnerung an Rotarmisten, die im Zweiten Weltkrieg gekämpft hatten, aufrecht zu erhalten. Für die Nachkommen sowjetischer Soldaten und österreichischer Frauen stellt diese offizielle Teilnahme eine wichtige symbolische Anerkennung von ihrem Status dar. Bis heute befinden sich zahlreiche Besatzungskinder auf der Suche nach ihren Wurzeln.

Beyond the Trenches

Im September 2011 startete ein vom Fonds für Wissenschaft und Forschung finanziertes und von Wolfram Dornik geleitetes, dreijähriges Forschungsprojekt. Er befasste sich darin gemeinsam mit einem internationalen Projektteam mit den Kriegserfahrungen österreichisch-ungarischer Soldaten und Offizieren an der Ostfront im Vergleich zu anderen Fronten des Ersten Weltkrieges. Dabei wurden besonders schriftliche Erinnerungen von Kriegsteilnehmern (veröffentlicht wie auch unveröffentlicht) analysiert, aber etwa auch privates wie auch offiziell erstelltes Foto- und Filmmaterial untersucht.

Im März 2012 fand am DHI Warschau der Auftakt-Workshop mit einem Großteil der teilnehmenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler statt. Dabei wurden insbesondere die beiden Publikationen (Sammelband und Sammelmonografie) zwischen den Autoren akkordiert. Es wurden auch noch dringend zu behandelnde Themen diskutiert, und im Anschluss daran Autoren dazu gesucht. Insbesondere die russische Perspektive wurde durch Evgenij Sergeev und Elena Senjavskajy ergänzt. Der Sammelband wurde Ende des Jahres 2013 präsentiert.

Leben in und nach der Zwangsarbeit

Nach Abschluss des ersten Forschungsprojektes zu den Akten des „Österreichischen Versöhnungsfonds“ Mitte 2013 verfolgt dieses, vom Zukunftsfonds der Republik Österreich unterstützte Folgeprojekt „Leben in und nach der Zwangsarbeit“ seit Juli 2013 die Forschungen zu ausländischen Zwangsarbeitern in Österreich während des Zweiten Weltkrieges weiter. Es setzt die Auswertung des Aktenbestandes des ÖVF nach denselben Zielsetzungen fort, die auch das erste Projekt verfolgte: Anhand der im ÖVF dokumentierten Schicksale Einblick zu geben in die Biografien in Österreich eingesetzter ziviler Zwangsarbeiter, sowohl ihren Arbeitseinsatz während des Zweiten Weltkrieges betreffend als auch über ihr Schicksal über das Kriegende 1945 hinaus.

Die Forschungen des Projektes werden sich in erster Linie auf die aus Polen stammenden zivilen Zwangsarbeiter konzentrieren.

a.

Das Lager Graz-Liebenau in der NS-Zeit

Dieses Projekt hatte einen bislang kaum behandelten Teilaspekt der Kriegs- und Nachkriegsgeschichte der Stadt Graz im Fokus: Die Entwicklung und Geschehnisse während des Zweiten Weltkrieges (insbesondere in den letzten Kriegsmonaten) im Lager Liebenau sowie die Nachforschungen durch die britische Besatzungsmacht nach 1945 zu diesen Verbrechen der letzten Kriegswochen.

Das Lager Graz-Liebenau war im April 1945 eine Zwischenstation der ungarischen Juden auf ihren Todesmärschen vom „Südostwall“ in Richtung KZ Mauthausen. Dutzende von ihnen überlebten den Aufenthalt in Graz-Liebenau nicht: Auf Befehl der Lagerleitung mussten die völlig geschwächten jüdischen Zwangsarbeiter im Freien nächtigen, erhielten gänzlich unzureichende Verpflegung und wurden medizinisch nicht mehr versorgt. Mindestens 35 wurden hier erschossen und in Massengräbern verscharrt.

Im Mai 1947 ließ die britische Besatzungsmacht Exhumierungen auf dem ehemaligen Lagerareal durchführen. Im selben Jahr wurde das NS-Verbrechen im Lager Liebenau durch ein britisches Militärgericht untersucht. Auf Basis von Archivdokumenten und zeitgenössischen Medienberichten wurden für die Studie die Grazer NS-Lager, das Schicksal der ungarischen Juden in Liebenau, die Ergebnisse der Exhumierungen und das Gerichtsverfahren mit der begleitenden Berichterstattung erforscht und analysiert. Das von Barbara Stelzl-Marx im Leykam-Verlag publizierte Buch „Das Lager Graz-Liebenau in der NS-Zeit. Zwangsarbeiter – Todesmärsche – Nachkriegsjustiz“ wurde im Jänner 2013 an der Universität Graz vorgestellt.

a. Im Mai 1947 ließ die britische Besatzungsmacht Exhumierungen auf dem ehemaligen Lagerareal durchführen.

Die Ukraine 1917 bis 1922

Die Ukraine als Schauplatz des Russischen Bürgerkrieges stand im Mittelpunkt dieses im Juli 2009 gestarteten FWF-Projektes. Forscher aus der Ukraine, Russland, Deutschland, Großbritannien, Polen und Österreich beleuchteten unter Leitung von Stefan Karner und der Mitarbeit von Wolfram Dornik im Zeitraum von zwei Jahren die Geschichte der Ukraine zwischen 1917 und 1922 in einem internationalen Kontext.

Dabei wurde nicht nur die Metaebene der Geschichte (Politik, Diplomatie, Wirtschaft) untersucht, sondern auch der Alltag der Menschen und die Wahrnehmung der Besatzer (österreichisch-ungarische und deutsche Truppen 1918, „Weiße“, polnische Truppen etc.), der Bolschewiki, der Regierungen/Regime und der Nationalbewegung durch die ukrainische Bevölkerung. Die beteiligten Wissenschaftler verknüpften erstmals Dokumente aus Moskau, Kiew, Berlin, Wien, London, Paris und Washington mit den neuesten ukrainischen und internationalen Forschungsergebnissen.

Die Abschlusskonferenz des Projektes fand von 15. bis 17. Juni 2011 in Graz statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde auch die Abschlusspublikation „Die Ukraine zwischen Selbstbestimmung und Fremdherrschaft 1917–1922“ präsentiert. Der Band enthält eine detaillierte politische, diplomatische, wirtschaftliche und militärische Geschichte der ukrainischen Staatsbildungsversuche zwischen 1917 und 1922, sowie im Speziellen der Besatzung der Ukraine durch österreichisch-ungarische und deutsche Truppen im Jahr 1918. 2015 erschien die ukrainische Übersetzung des Bandes.

a. Die Ukraine 1917 bis 1922