Austrian-Soviet Economic Relations 1955–1964    

Das Projekt widmet sich den Kompensationszahlungen und der Etablierung von Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zwischen der Republik Österreich und der Sowjetunion 1955-1964

Die Frage, ob Österreich nach dem Zweiten Weltkrieg Reparationszahlungen an die Sowjetunion leisten sollte, war unter den Alliierten nicht eindeutig geklärt, aber Moskau konnte seine Forderungen auf der Potsdamer Konferenz von 1945 nicht durchsetzen. Die Verwaltung der sowjetischen Besatzungszone ermöglichte es der UdSSR jedoch, in großem Umfang zu profitieren. Im Rahmen der Staatsvertragsverhandlungen wurde die Rückgabe dieses ehemaligen „deutschen Eigentums“ von der Sowjetunion an Österreich ausgehandelt. Mit dessen Abschluss verpflichtete sich Österreich zu Entschädigungen (Öl- und Warenlieferungen), die den rein wirtschaftlichen Wert weit überstiegen. Diese nicht kommerziellen Kompensationslieferungen trugen zur Entwicklung der österreichisch-sowjetischen Wirtschaftskooperation. Bereits 1955 wurde ein erstes Handelsabkommen unterzeichnet. Im Jahr 1960 lag Österreich auf Platz 5 der westlichen Exporteure in die UdSSR – hinter Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien.

Für die sowjetische Seite hatte der Handel mit Österreich sowohl eine wirtschaftliche als auch eine politische Funktion: Das Beispiel der positiven Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen passte gut zu Chruschtschows Konzept der friedlichen Koexistenz. Im Projekt wird untersucht, welche die grundlegenden wirtschaftlichen und politischen Gründe für die erfolgreiche Entwicklung der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen der UdSSR und Österreich waren; ob wirtschaftliche Erleichterungen durch Handelsabkommen, aber auch reduzierte Kompensationslieferungen als Soft-Power-Instrument gegenüber dem neutralen Österreich eingesetzt wurden; inwieweit Kompensationslieferungen der Vertrauensbildung als Grundlage für den Handelsverkehr dienten; und ob die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen mit dem neutralen Österreich von der Sowjetunion als „Experimentierfeld“ oder Modell für den Ost-West-Handel im Allgemeinen angesehen wurden.

Auf der Grundlage sowjetischer und österreichischer Archivquellen werden sowohl quantitative Methoden (Korrelationsanalyse) als auch qualitative Methoden (Außenwirtschaftspolitik: vergleichend-historische und historisch-systematische Ansätze) kombiniert.

FWF-Projektnummer: I 5306

Projektteam:
Projektleitung: Peter Ruggenthaler; nationaler Forschungspartner: Walter Iber; Key Researcher: Anna Graf-Steiner; Projektmitarbeiter: Christoph Huber

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a. Bundeskanzler Julius Raab erhält ein Gastgeschenk von Nikita Chruschtschow (1960). In: Stefan Karner – Barbara Stelzl-Marx – Natalja Tomilina etal. (Hg.), Der Wiener Gipfel 1961. Kennedy-Chruschtschow. Innsbruck-Wien-Bozen 2011. S. 822